Wo steht BIM heute?

Seit wann wird BIM angewendet? Die Antwort ist eigentlich ganz einfach. Seit dem Zeitpunkt, wo zwei Personen gemeinsam ein Gebäude errichtet haben. Die beiden Personen mussten sich über den Ablauf verständigen. Damals gab es aber den Begriff noch nicht. Historisch betrachtet nenne ich den Zustand einmal BIM 0D. Die Menschen haben sich dann schon über drei Dimensionen unteralten, haben es aber nicht schriftlich niedergelegt. Davor hat es auch schon Gebäude gegeben, die in grauer Vorzeit von den ersten Menschen genutzt wurden. Der Baumeister war die Natur. 

Jedes Gebäude hat ein oder mehrere Räume, Böden, Decken, Dächer, Treppen, Wände, Öffnungen sowie Objekte, die die Öffnungen bei Bedarf verschließen können. Eine von der Natur geschaffene Höhle kann man genauso in Baugruppen, Bauteile und Bauelemente zerlegen wie ein hochmodernes Gebäude von heute und auch von morgen. Nur wie die Baugruppen, Bauteile und Bauelemente von morgen aussehen werden und aus welchen Materialien oder Nichtmaterialien sie bestehen werden, wissen wir heute noch nicht.

Sie wundern sich mit Sicherheit warum ich das Stadium BIM 1D übergehe. Egal mit welchem Hilfsmittel sich die Menschen über das Erstellen von Gebäuden unterhalten haben, habe ich noch von keiner eindimensionalen Darstellung eines dreidimensionalen Sachverhalts gehört.

Wenn Menschen gemeinsam ein Gebäude planen, hatten die früheren Generationen zuerst keine Hilfsmittel und danach über einen langen Zeitraum Papier und diverse Arten von Schreib- oder Zeichengräten zur Verfügung. Der Austausch und die Dokumentation von Informationen verliefen zuerst verbal und danach handschriftlich. Da die Bauvorhaben meist regional abgewickelt worden sind, sind auch regional unterschiedliche Maßeinheiten entstanden. Glücklicherweise sind es weltweit nicht zu viele verschiedene. Da Papier über zwei Dimensionen verfügt, befinden wir uns im Stadium BIM 2D. Sachverhalte wurden dreidimensional diskutiert aber zweidimensional festgehalten.

Mit der Einführung von Computern haben die Menschen auch Softwareprodukte erstellt, die die Schreib- und Zeichengeräte mittlerweile abgelöst haben. Wo aber keiner mit rechnen konnte, ist, dass es so viele verschiedene Softwarehersteller gegeben hat, die sich fast zeitgleich auf den Weg gemacht haben, die unterschiedlichsten Produkte für unterschiedlichste Anwendungsfälle zu erstellen, ungeachtet der Tatsache, dass es sich immer um die gleiche Art von Baugruppen, Bauteilen und Bauelementen handelt. Da das Papier gegen eine zweidimensionale CAD ersetzt wurde, befinden wir uns immer noch im Stadium BIM 2D.

Jeder Softwarehersteller hat, obwohl es sich um das gleiche Thema handelt, seine eigene Philosophie für seine Werkzeuge geschaffen und ebenso als Basis ein eigenes Datenformat entwickelt. Jeder der international tätig sein will, hat seinen Produkten diverse Sprachen und Maßeinheiten hinzugefügt. Früher haben die verschiedenen Sprachen und Maßeinheiten die Menschen leicht dabei behindert, Informationen auszutauschen. In den Anfängen der CAD waren die Maßeinheiten auch immer ein Thema. Heute wird der Austausch von Informationen viel mehr durch die unterschiedlichen Datenformate behindert.

Früher gab es auch schon baulich sehr anspruchsvolle Gebäude, wenn man an die vielen großen Kathedralen denkt. Heute werden aber viele Gebäude mit einer viel komplexeren und aufwendigeren Gebäudetechnik versehen. Die erhöhte Komplexität und der Wunsch nach immer schnellerer Fertigstellung macht einen intensiven Austausch aller am Bau beteiligten Fachleute schon in der Planungsphase unumgänglich. Um die komplexe Sachverhalte darzustellen benötigen wir dreidimensionale Hilfsmittel. Die immer leistungsfähiger werdenden PCs erlauben den Softwareherstellern diese Hilfsmittel zu produzieren. Jetzt befinden wir uns mitten in der Zeit des BIM 3D.

Zum Planen und Bauen eines Gebäudes benötigen die Unternehmen weitere Softwareprodukte, die sich mit den Themen Kosten und Zeit auseinandersetzen. Das grafische Modell reicht nicht aus. So wird aus dem Gebäudemodell BIM 3D schnell über die Faktoren Zeit und Geld ein BIM 5D. Ob nun die Zeit oder das Geld die Komponente BIM 4D ist, ist in meinen Augen nicht relevant. Letztendlich sind wir mitten in der Diskussion um BIM 5D.

Obwohl BIM 5D bereits durch erste Anwendungen realisiert ist, gibt es noch immer kein einheitliches BIM beziehungsweise ein BIM 3D. Ich unterstelle einmal, dass die Softwareanwender sehr daran interessiert sind, Daten ohne Datenverlust elektronisch gemeinsam zu bearbeiten. So hat sich im 2D in den 90er das DXF-Format durchgesetzt. Auf Drängen der Anwender ist dann im 3D zum IFC-Format gekommen. Jeder Softwarehersteller hat auch mittlerweile das Wort BIM ins seine Werbung mit eingebaut. Trotzdem spricht nicht jeder vom gleichen BIM obwohl jedes Gebäude ein oder mehrere Räume, Böden, Decken, Dächer, Treppen, Wände, Öffnungen sowie Objekte, die die Öffnungen bei Bedarf verschließen können, hat.

Die Softwareanwender kann man mit Sicherheit schnell von einer BIM-gestützten Arbeitsweise begeistern. Jeder ist fasziniert, von dem was möglich wäre, wenn man darüber berichtet. Nur müssen zuerst die Barrieren beseitigt werden, die den Anwender behindern. Eine gewisse Barrierefreiheit ist schon notwendig, damit wir von einen einzigen gemeinsamen BIM sprechen. Wenn die Herausforderung BIM 3D gelöst ist, haben es die Softwarehersteller mit der Realisierung von BIM 5D einfacher.

Und was kommt danach? BIM wurde fast zeitgleich von mehreren Softwareherstellern in der Werbung genutzt. Jeder hat in den Anfängen die Schaffung des Begriffes für sich in Anspruch genommen. Danach haben andere angefangen über BIM 4D und BIM 5D zu sprechen. Folglich ist dann für mich der ursprünglich gewählte Begriff BIM der Vorläufer also BIM 3D. In meiner Betrachtung habe ich dann noch BIM 0D und BIM 2D hinzugefügt. Nach BIM 5D müsste dann eigentlich BIM 6D kommen. Zum Beispiel könnte man als sechste Dimension die Realität mit hinzufügen, die dann aktiv mit in die Planung eingebaut werden kann. Das Thema Augmented Reality wurde in diesem Jahr durch Microsoft durch das Produkt HoloLens mit ins Spiel gebracht. Vielleicht hilft ja die Zukunft dabei, BIM 3D zur Barrierefreiheit zu verhelfen.

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