IFC Standard – Chancen und Risiken

IFCIn allen Diskussionen, die wir momentan über BIM, BIM-Richtlinien oder BIM-Methoden führen, sprechen wir nicht mehr über die digitalen Standards, die wir zur Umsetzung von BIM benötigen. Wir stellen Sie nicht mehr in Frage, sondern nutzen sie einfach.  

Die meisten digitalen Standards, die wir in der Vergangenheit genutzt haben, sind meist zuerst im Maschinen- und Anlagenbau erdacht worden und nicht im Bereich Architektur und Bauwesen. Nichtsdestotrotz ist es uns gelungen, uns auf eine gemeinsame dreidimensionale Objektbeschreibung der kleinsten Bauteile noch vor dem Maschinen- und Anlagenbau zu einigen. Der aktuelle IFC Standard wird in der ISO 16739:2013 beschrieben.  

Im Gegensatz zu diesem anerkannten Standard gibt es weltweit die unterschiedlichsten BIM-Richtlinien. Mit dem Stand von heute habe ich fast 100 national geprägte identifizieren können. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass es noch weitere BIM-Richtlinien gibt. Während die Neueinsteigerländer noch mit der ersten Version kämpfen, sind die Erfahrenen schon bei der vierten und fünften Version angekommen. Einige Länder arbeiten schon erfolgreich mit BIM und andere tasten sich erst langsam heran. Gleichzeitig haben weltweit oder kontinental operierende Baukonzerne ihre eigenen BIM-Richtlinien erarbeitet oder sind dabei, diese auf den Weg zu bringen. Und obwohl die USA auch mit zu den Nationen gehört, die schon früh mit BIM begonnen haben, findet man dort neue BIM-Richtlinien einzelner Bundesstaaten.  

Schön wäre es, wenn wir es schaffen könnten, zumindest dort einheitliche BIM-Richtlinien auf den Weg zu bringen, wo Unternehmen in Wirtschafträumen eng miteinander zusammenarbeiten. Eine nationale Kleinstaaterei wird uns langfristig nicht weiter bringen. Sie wird die Unternehmen und letztendlich auch die Bauherren und Investoren behindern.  

Ohne dass wir es merken, sorgt das Thema BIM dafür, dass wir die Konstruktionslogik des Maschinen- und Anlagenbaus übernehmen. Bisher haben wir in der Bauindustrie immer Top-Down gearbeitet, also von der Grobplanung bis hin zur Feinplanung. Da wir mit BIM ein Gebäude oder Bauwerk modellieren bzw. aus einzelnen Bauteilen zusammensetzen, arbeiten wir auch Bottom-Up. Wir merken es nur nicht und den meisten Menschen ist es nicht bewusst. Wir sind aber bei unserer Automatisierung noch nicht an dem Punkt angekommen, wo eine Änderung in der Top-Down-Logik zu einer automatischen Anpassung von Bottom-Up führt. Ich habe ursprünglich eine Doppeltür mit einem Rohbaumass von 2.01 m vorgesehen. Aufgrund meiner grundsätzlichen Änderung der Raumaufteilung passt dann nur noch eine 1.51 m breite Tür hinein. Die Änderung würde dann automatisch passieren.  

Wenn wir uns jetzt auf den Weg machen, um über eine Vereinheitlichung von BIM-Richtlinien zu sprechen und diese zu verabschieden, dann sollte vorher auch jeder Fachverband genauestens den IFC Standard überprüfen, ob dort auch die kleinsten Bauteile vorhanden und wenn ja auch in der Beschreibung stimmig sind. Nach dem Bottom-Up Prinzip muss es ja machbar sein, aus der Summe der kleinsten Bauteile ein komplettes Gebäude oder Bauwerk zu erstellen.  

Bisher haben wir noch nicht über die kleinsten Bauteile gesprochen. Wie tief ist der notwendige „Bottom“ von dem wir „Up“ gehen? Welche Konstruktionstiefe benötigen wir? Vielleicht hilft es an dieser Stelle das Facility Management zu befragen. Jede unnötige Bereitstellung und Erhebung von Daten vergrößert das Modell. Eine sinnvolle Strukturtiefe wäre mit Sicherheit, wenn man direkt wartungs-, sicherheits- und prüfrelevante Bauteile als Objekte ansprechen könnte.  

Die Nutzung der Bauteile in der Konstruktion setzt voraus, dass die Softwareanwender die Bedeutung der Bauteile kennen. Anwender sind sich nicht immer bewusst, was es bedeutet mit Bauteilen und Objekten zu arbeiten. Die Zweckentfremdung von Bauteilen, bzw. deren Nutzung allein für die Optik, führt dazu, dass die IFC-Schnittstelle das Bauteil des Modells in der Übertragung in der digitalen Nutzungskette so interpretiert, wie der Anwender es genutzt hat. So entstehen Fehler. Nur eine konsequente Aus- und Fortbildung der Anwender sorgt dafür, dass alle Anwender in der Nutzungskette jedes Objekt gleich interpretieren. Und eine Zeichnung darf nur ein Abfallprodukt und eine Momentaufnahme des Modells an einem bestimmten Tag sein.  

Die zweite Herausforderung ist, dass wir alle gemeinsam darauf achten müssen, dass alle Softwarehersteller in ihren Programmen und Schnittstellen die Bauteile, wenn sie denn richtig genutzt wurden, dann auch wirklich so sinngemäß übergeben, wie es denn eigentlich in der ISO definiert ist. Mittlerweile ist weltweit in vielen Softwareprodukten dieser IFC-Standard in Form von Schnittstellen eingebaut worden. Die Schnittstellen erlauben IFC-Dateien zu lesen oder zu schreiben. Die Softwarehersteller sind bereit dazu, die Anwender zu unterstützen. Sie warten auf konkrete Vorgaben der Anwender. Einerseits bemühen die Softwarehersteller sich, das Thema BIM voranzutreiben, um Marktanteile zu gewinnen, aber andererseits benötigen sie auch die konkreten Vorgaben der Anwender, um ihre Produkte sinnvoll zu verändern und zu erweitern. 

Trotz aller zurzeit existierenden Risiken sollten weltweit alle sehen, welche Chancen der existierende IFC Standard uns jetzt schon bietet. Er muss nur kontinuierlich ausgebaut und erweitert werden. Darauf aufbauend kann es dann eine oder mehrere BIM Richtlinien geben, die eine sinnvolle Zusammenarbeit der Anwender regulieren. Auch die Bauzulieferindustrie kann dann auf der Basis des IFC-Standards ihre Bauteile den Softwareanwendern zur Verfügung stellen. Dann sind wir auf dem Weg einer sinnvollen Digitalisierung der gesamten Wertschöpfungskette.

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  1. wenn es zieviele „Dialekte“ beim IFC gibt passiert das selbe wie bei OKSTRA im Straßenwesen in Deutschland (Objektkatalog Straße = Ziel sollte sein eine einheitliche Datenbank für Straßenmaßnahmen zu schaffen) – da OKSTRA Ländersache (Hessen, Bayern…) ist, entstand ein erhebliches durcheinander … genau das selbe bei SQL bei Microsoft und in anderen Datenbanken… hier benötigt es eine starke Hand die alleine den Standart bestimmt – Abweichungen dürfen nicht IFC heißen – sonst chaos

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