Welche Voraussetzungen müssen Sie mitbringen, um in BIM einzusteigen?

Eintritt

Ich werde oft gefragt, welche Bedingungen ein Unternehmen oder eine Person erfüllen muss, um in BIM einzusteigen. Wir haben uns auch diese Frage gestellt, als wir die Bewertungskriterien für unseren BIMcheck festgelegt haben. Der BIMcheck und das BIMrating können als Feststellung des Status Quo und als Festlegung des BIMrating erst dann beginnen, wenn die Grundvoraussetzungen erfüllt sind.

CAD-Software mit IFC-Schnittstelle

Das Building Information Modeling setzt voraus, dass Sie Gebäude dreidimensional und objektorientiert erstellen können. Ihre Software muss in der Lage sein, alle notwendigen Bauteile wie Wände, Türen, Fenster, Decken, … als dreidimensionale Bauteile bereit zu stellen. Diese Bedingung wird nicht von den klassischen zweidimensionalen CAD-Programmen erfüllt. Also ersetzen Sie bitte diese Programme als erstes.

Wenn Sie Ihre Software ersetzen müssen, achten Sie bitte darauf, dass Ihre neue Software über eine aktuelle IFC-Schnittstelle für den objektorientierten Datenaustausch besitzt. Bitte achten Sie auch darauf, dass Ihre neue Software das neueste IFC-Format beherrscht. Erkundigen Sie sich beim Hersteller, ob die Schnittstelle kontinuierlich angepasst und erneuert wird. Der IFC-Datenaustausch wird nicht sofort benötigt, aber in Projekten ist er sehr wichtig.

Ausbildung

Beherrschen Sie Ihre CAD-Software? Ohne die Fähigkeiten dreidimensional zu konstruieren, erfüllen Sie nicht die Voraussetzung für den Einstieg in BIM! Es reicht nicht aus, eine Schulung zu absolvieren. Sie müssen den Willen haben, jede Konstruktion im Tagesgeschäft dreidimensional zu erstellen und Änderungen dreidimensional durchzuführen. Dafür benötigen Sie Zeit. Und vor allen Dingen müssen Sie sich die Zeit nehmen.

In Deutschland hören wir immer wieder die Argumente, dass BIM nicht durch die HOAI abgedeckt wird und dass es keine Gesetze und Verordnungen gibt, die den Einsatz von BIM vorschreiben. Bevor da nichts existiert, muss man auch nicht mit BIM beginnen. Unterschätzen Sie nicht die Zeit für Ihre Ausbildung oder die Ausbildung Ihrer Mitarbeiter!

Persönliche Einstellung

Welche Einstellung bringen Sie mit? Machen Sie BIM, weil Sie es machen müssen oder weil Sie davon überzeugt sind? Derjenige, der das Gefühl hat, BIM machen zu müssen, wird gerade immer nur ein Minimum an Zeit oder an Geld investieren, um mitmachen zu können. Je höher der Grad der Perfektion ist, desto effizienter lassen sich BIM-Projekte gestalten und umsetzen. Das schaffen Sie aber nur, wenn Sie das Thema BIM positiv angehen. Die notwendige Motivation sollte aber von Ihnen selbst ausgehen. Für die Lernprozesse benötigen Sie Durchhaltevermögen. Sie kommen nicht weiter, wenn Sie das Gefühl haben, es ständig machen zu müssen.

Nachdem Sie eine passende CAD-Software mit einer gut gepflegten IFC-Schnittstelle ausgewählt haben, ausreichende Schulungen besucht und praktische Konstruktionserfahrungen gesammelt haben, sind Sie bereit für den Einstieg in BIM und für Ihre ersten BIM-Projekte. Dann können wir den ersten BIMcheck bei Ihnen durchführen und Ihr BIMrating festlegen.

(Ein wenig Werbung muss sein: http://www.bimcheck.eu)

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4 Antworten auf “Welche Voraussetzungen müssen Sie mitbringen, um in BIM einzusteigen?”

  1. Hallo Ulf,

    ich finde wir müssen viel eher anfangen, bevor wir uns um BIM kümmern.
    Die Kommunikation während der Planung und Durchführung eines Projektes lässt sehr zu Wünschen übrig. Damit meine ich nicht die turnusmäßigen Bausprechungen etc. sondern den Austausch der Dokumente, die aus den unterschiedlichen Software Produkten entstehen.
    Fangen wir doch einfach mal damit an einen Projektstandard zu entwickeln und zwar für jedes Projekt individuell. Eine BIM Richtlinie wird hier nicht viel helfen, da sie zu starr wird.
    Meine Erfahrung nach sind viele Zeichnungen so schlecht aufgebaut, dass eine weitere Planung auf Basis dieser Zeichnungen nur schwer möglich ist.
    DIe Dokumentation des Bauvorhabens wird zwar vertraglich vorgeschrieben, wird aber in den meisten Fällen sträflich vernachlässigt. Wird ja auch laut HOAI nicht ordnungsgemäß honoriert.
    Bevor BIM eingesetzt wird, alles verkompliziert und irgendwelche Richtlinien entstehen sollten wir uns erstmal um unsere Arbeitsweise kümmern. Danach ist BIM sinnvoll.

    Im Übrigen: Viele sprechen von BIM, wissen die eigentlich genau was das ist? Ich habe noch keine Defintion gesehen.

    Gruß Jürgen

  2. Vergessen Sie bei der ganzen Diskussion um BIM nicht, dass es bis heute nicht gelungen ist, die Dokumentation aus der Planungs- und Realisierungphase in die Betreiberphase zu überführen und zwar in der Art , dass der Betreiber in seinem (CA)FM-System diese rechnergestützt nutzen kann. Nur ca. 20% der Dokumentation aus der Planungs- und Bauphase ist zum täglichen Betreiben erforderlich. Der Rest ist reine Dokumentation, warum dann 100% in eine Norm pressen, die nicht durchsetzbar ist.
    Bei jedem neuen Bauprojekt kommen unterschiedliche Partner (Bauherren, Planer, Auftragnehmer) zusammen. Wer hätte von BIM einen Vorteil? Die Planer bzw. Auftragnehmer haben sich schon lange selbst optimiert und müssen jetzt Ihre Arbeitsweise bzw. ihr IT-Tool ändern. Das bringt Unruhe, erhöhten Arbeitsaufwand und Kosten, die der Bauherr, der eigentliche Nutznießer, nicht zahlen will.

    Viel wichtiger wäre doch, dass man sich auf die Überführung der Dokumentation (as built) von der Bauphase in die Betreiberphase konzentriert. Hierbei muss man unterscheiden, was muss rechnergestützt analysierbar sein und wo reicht ein einfaches technisches Datenblatt.

    1. In einem älteren Beitrag habe ich exakt die gleichen Dinge angemerkt beziehungsweise auch bemängelt. Die konsequente Nutzung von BIM wird ihren Beitrag dazu leisten, das alle an der Planung und Abwicklung beteiligten Unternehmen ein komplettes Projekt durchgängig elektronisch bis zum Ende konsequent bearbeiten und auch bearbeiten können. Dann bekommt der Bauherr bzw. der Betreiber eine komplette und gut organisierte elektronische Dokumentation übergeben, die nicht nachträglich aufwendig erstellt werden muss, sondern kontinuierlich in allen Phasen zusammengestellt und erweitert wurde.
      Ohne einen leichten Zwang wird dies aber nicht geschehen. Den längsten Hebel haben die Investoren. Wenn die Betreiber und Investoren die konsequente Anwendung von BIM nicht vertraglich festlegen, werden auch am Ende die übergebenen Daten nicht so sein, wie wir sie gern hätten.
      Unruhe und einen erhöhten Arbeitsaufwand bringen ausschließlich nicht gut durchdachte Planungen und die daraus resultierenden Baumängel und deren halbherzige Beseitigung und Dokumentation. Ich habe in der Vergangenheit schon einige CAFM-Projekteinführungen begleiten können. Ich möchte an dieser Stelle nicht über die Details von Baudokumentationen sprechen und auch keine Andeutungen machen.
      Deutschland wird durch den Mittelstand geprägt. Mittelfristig und langfristig benötigen wir deshalb ein gemeinsames Verständnis von BIM. Es geht nicht um eine übermäßige technische Regulierung. Es geht um die menschliche Einstellung zu BIM. Deshalb gibt es den BIMcheck. Er kommt vielleicht bei uns noch etwas früh, aber er wird benötigt. Anfragen hatten wir nach der Veröffentlichung aus Österreich, den USA und Spanien.
      Kommen wir nun zu der eigentlichen Herausforderung für den Bereich CAFM. Was würde passieren, wenn jetzt sofort aus vielen Projekten koordinierte BIM-Dokumentationen die Betreiber erreichen? Haben die Betreiber die passenden CAFM-Systeme im Einsatz, die in der Lage sind, die Daten vollautomatisiert zu übernehmen? Auf der letzten Messe in Frankfurt habe ich die Hersteller eingehend befragt. Das Ergebnis hat mich nicht überrascht, dass nur eine sehr kleine Gruppe von Herstellern eine Antwort darauf hatte. Und leider hat mich nicht jede Antwort vollends zufriedengestellt.

      1. Ich kann natürlich nur von dem CAFM-System sprechen, was ich bei einem deutschen Global Player eingeführt habe. Ja es gibt so ein System. Für dieses System gibt es sogar ein CAFM-Prüftool, welches CAD-Zeichnungen analysiert und alle CAD-Objekte rot markiert, die vom System nicht erkannt werden. Eine Übergabe von Plänen erfolgt mit einem normalen Papierplot, um die Technik zu verstehen und dazu einem Spezialplot aus dem CAFM-Prüftool, um ohne Fachkenntnis vom CAFM-System zu prüfen, ob der Plan kompatibel ist. Bei dieser Prüfung wird der Schwerpunkt darauf gelegt, was möchte ich im CAFM-System rechnergestützt auswerten.

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