Ist eine BIM-Zertifizierung sinnvoll?

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Es ist in Deutschland ein wenig verfrüht, sich über das Thema BIM-Zertifizierung Gedanken zu machen. Im ersten Stepp wollen wir eigentlich, dass BIM grundsätzlich zum Einsatz kommt. Trotzdem sollten wir uns schon jetzt Gedanken darüber machen, damit eine mögliche BIM-Zertifizierung in die richtigen Bahnen gelenkt wird.

Zitat Wikipedia: Als Zertifizierung (von lat. „certe“ = bestimmt, gewiss, sicher und „facere“ = machen, schaffen, verfertigen) bezeichnet man ein Verfahren, mit dessen Hilfe die Einhaltung bestimmter Anforderungen nachgewiesen wird.

Eine Zertifizierung kann also immer nur eine Aussage darüber treffen, ob Sie die Anforderungen einhalten oder nicht beziehungsweise, ob Sie die Messlatte überspringen oder es nicht schaffen.

Welche Kriterien kann eine BIM-Zertifizierung enthalten?

Lassen Sie uns mit dieser Frage beginnen. Alle, die sich schon intensiver mit BIM befasst haben, werden sich schon einmal Gedanken darüber gemacht haben. Momentan können wir vier Bereiche identifizieren: IT-Infrastruktur, Menschen, Projekte und Normen/Richtlinien.

Das Festlegen einer bestimmten IT-Infrastruktur ist machbar, aber in unseren Augen nicht realistisch. Sobald alle an einem Projekt beteiligten Unternehmen über eine gleichwertige Hardware verfügen, ist es relativ wie groß zum Beispiel ein Upload oder ein Download ist. Dass Projekte mit einer optimalen IT-Infrastruktur besser abgewickelt werden können, steht außer Frage, setzt aber auch kontinuierliche Investitionen der beteiligten Unternehmen in die IT-Infrastruktur voraus. Die IT-Infrastruktur zum Gegenstand einer Zertifizierung zu machen, setzt voraus, dass die Prüfkriterien kontinuierlich erneuert werden und dass das Zertifikat nur maximal ein Jahr gültig ist. Welche Auswirkungen hat es für den Unternehmer? Was passiert, wenn sein Zertifikat drei Jahre alt ist? Bekommt er deshalb keine Aufträge mehr? Solange das Unternehmen gute Dienstleistungen abliefert, wird ein älteres Zertifikat keine Auswirkungen haben.

Ähnlich verhält es sich mit der Überprüfung des menschlichen Wissens. Das Aufsetzen eines BIM-Tests für Personen hilft vielleicht Unternehmen dabei, sich bei der Personalauswahl für einen bestimmten Kandidaten zu entscheiden. Eine permanente Teilnahme an Schulungen oder die Teilnahme an einem BIM-Test ist kein Garant dafür, dass die Menschen in Projekten professionell zusammenarbeiten.

Projekte lassen sich durchaus zertifizieren. Damit Sie den Nachweis erbringen, dass es ihnen gelungen ist, in einem Projekt bestimmte Kriterien einzuhalten. Wie gut Sie wirklich waren, werden Sie nicht in Erfahrung bringen können. Es ist aber ein Signal an einen potentiellen Kunden, dass Sie BIM können. Wie gut Sie aber dauerhaft sind, können Sie nur unter Beweis stellen, wenn Sie jedes Projekt zertifizieren. Denken Sie bitte daran, dass Sie das Budget immer dafür einplanen. Denn einmal ist keinmal! Entscheidend für Ihr Unternehmen wird aber sein, wie die Prüfkriterien sich zusammensetzen. Eine Zertifizierung nur als zukünftige Werbebotschaft zu nutzen, wird zu teuer werden. Eine BIM-Zertifizierung muss Ihr Unternehmen inhaltlich und strategisch weiter voranbringen. Diese Aussagen werden Sie aber über eine Zertifizierung nicht bekommen.

Eine Zertifizierung nach einer BIM-Richtlinie oder nach BIM-Normen ist machbar. Als Unternehmer sind Sie aber ohnehin gezwungen, offizielle Richtlinien und Normen einzuhalten.

Welche Voraussetzungen haben wir für eine BIM-Zertifizierung?

Aktuell haben wir keine konkreten Voraussetzungen in Deutschland, um eine BIM-Zertifizierung aufzusetzen oder durchzuführen. Wir können uns nur Gedanken darüber machen oder in einem Blog einen Artikel darüber schreiben.

Wer soll eine BIM-Zertifizierung machen?

Analog zu den Kriterien können wir hier ebenfalls die Beteiligten auflisten: Softwarehersteller, Hardwarehersteller, Provider, Zulieferindustrie, Planer, Bauunternehmen, Bauherren und Investoren. Einzig und allein die Softwarehersteller haben bisher eine ISO-Zertifizierung. Sie bezieht sich auf die IFC-Schnittstelle. Die Kriterien sind festgelegt worden. Wir haben aber alle schon die Feststellung machen können, dass trotz der Zertifizierung die tatsächliche Datenqualität nicht immer so ist, wie wir sie erwarten. Aber es ist sehr positiv, dass es die Schnittsteller gibt! Bei den Bauherren und Investoren müssen wir erst einmal für deren Bereitschaft werden, jedes neue Projekt mit Hilfe von BIM zu realisieren. Das ist die entscheidende Zielgruppe – aber nicht unbedingt für eine Zertifizierung. Die Hardwarelieferanten und die Provider stellen gute Produkte bereit. Nur das eine oder andere Unternehmen hat das Problem, noch keinen schnellen Internetzugang zu haben. Grundsätzlich passt aber für die Hardwarelieferanten und Provider keine BIM-Zertifizierung. Übrig bleiben die Planer und Bauunternehmen als Zielgruppen für eine BIM-Zertifizierung.

Wer darf eine BIM-Zertifizierung erstellen?

In Deutschland gibt es die offiziellen Zertifizierungsunternehmen, wie zum Beispiel der TÜV, die Dekra oder die DQS. Machen Sie sich bitte einmal die Mühe und schauen sich an, welche Zertifizierungsprodukte die Unternehmen vorhalten. Wie passt eine BIM Zertifizierung dort in deren Portfolio mit hinein? Momentan überhaupt nicht. Bei allen Themen, die die Digitalisierung betreffen, tun sich die großen Zertifizierungsunternehmen sehr schwer. Wir haben versucht, dort im Sommer Ansprechpartner in den Unternehmen zu finden. Leider sind wir nicht fündig geworden.

Überall wo es um IT geht, gibt es auch Zertifizierungen. In Deutschland ist zum Beispiel die GEFMA-Zertifizierung ein Begriff, wenn es sich um das Thema aus dem Bereich CAFM handelt. Die GEFMA ist ein Verein. Die GEFMA hat zu verschiedenen CAFM Themen eigene Kriterien aufgestellt und nennt die Zertifizierung deshalb auch GEFMA Zertifizierung und nicht CAFM-Zertifizierung. Analog zur GEFMA könnte auch der Verein buildingSMART eine buildingSMART Zertifizierung zum Thema BIM herausbringen. Die Kriterien würden dann durch die Mitglieder aufgestellt und kontrolliert werden.

Wer darf eine BIM-Zertifizierung durchführen?

Bevor wir eine allgemeine BIM-Zertifizierung aufstellen, muss erst einmal geklärt werden, wer das denn überhaupt machen darf. Daraus ergibt sich dann auch, wer diese Zertifizierung dann durchführen darf. Eine allgemeine BIM-Zertifizierung wird auch eine allgemeine CAFM-Zertifizierung mit enthalten. Wenn Vereine und deren Mitglieder eigene Zertifikate herausbringen, dann ist es in Ordnung. Ein GEFMA-Zertifikat und ein buildingSMART-Zertifikat sind sinnvoll. Die Mitglieder stellen die Kriterien zusammen und eine Kommission der Mitglieder führt die Zertifizierung durch. Es fehlt zwar ein wenig die Unabhängigkeit der Prüfung, aber es ist in den Fällen auch nicht anders machbar.

Ist eine BIM-Zertifizierung sinnvoll?

In jedem Fall macht es Sinn, sich mit dem Thema der BIM-Zertifizierung auseinanderzusetzen. Wir müssen uns aber gleichzeitig dann auch mit der Werthaltigkeit einer offiziellen BIM-Zertifizierung befassen. Ein Zertifikat ist dann sinnvoll, wenn die Prüfung durch eine unabhängige Organisation oder durch ein unabhängig besetztes Gremium durchgeführt wird. Sollte mich jemand fragen, ob ich ein Interesse haben würde, einem solchen unabhängigen Gremium mit anzugehören, dann würde ich gern mitmachen.

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2 Antworten auf “Ist eine BIM-Zertifizierung sinnvoll?”

    1. Vielen Dank für Ihren Kommentar auf einen alten Artikel von mir. Ich veröffentliche den Kommentar gern, weil Sie mir damit eine Steilvorlage geben, um noch einmal auf meinen Artikel vom 30.03.2016 „Die erste BIM-Zertifizierung in Deutschland – Schnellschuss oder nachhaltig?“ hinzuweisen. In meinen Artikel nenne ich normalerweise nicht die Namen von Firmen, Produkten oder Institutionen. Ich umschreibe lieber die Dinge, ohne sie direkt zu benennen. Aber in diesem Fall, möchte Sie gern mit Ihrem Kommentar eine kostenlose Werbung auf meinem Blog machen. Das erlaubt mir dann auch, etwas direkter zu werden. Die von mir in meinem Artikel vom 30.03. angeprangerte Vorgehensweise einer Schnellschuss-Zertifizierung bezieht sich auf die von der Planen und Bauen 4.0 ausgestellten BIM-Zertifizierung Ihrer Ausbildung. BIM-Ausbildungen finde ich grundsätzlich gut, aber musste es zu diesem Zeitpunkt ein BIM-Zertifikat ohne Berücksichtigung der Richtlinie VDI 2552 Blatt 8 BIM – Qualifikationen geben? Auch andere Anbieter von BIM-Schulungen verzichten momentan in der Werbung Ihrer Maßnahmen auf das Wort Zertifizierung und das mit guten Grund.

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