Ist BIM das neue CAFM oder CAFM das neue BIM?

Diese Fragestellung „Ist BIM das neue CAFM oder CAFM das neue BIM?“ habe ich in der letzten Woche von einem Leser meines Blog erhalten. Die beiden Fragen kann ich schnell mit zweimal „Nein“ beantworten. Diese Antworten werden meinen Leser aber verständlicherweise nicht zufrieden stellen.

Historisch betrachtet müssen wir ergründen, wann beide Begriffe das erste Mal erwähnt wurden. Dreidimensional mit einer CAD-Software für Architekten konstruiert habe ich selbst das erste Mal in der 80ern. Es gab da auch bereits Softwareprodukte für Baukalkulationen und Ausschreibungen. Eine durchgängige digitale Bearbeitung im heutigen Sinne von BIM gab es noch nicht. Mit den ersten CAFM-Softwareprodukten habe ich Mitte der 90er zu tun gehabt. CAFM hat von Anfang an Prozesse für die Bewirtschaftung von Gebäuden digital abgebildet. Die Abbildung von Prozessen und immer wiederkehrenden Arbeitsabläufen machen die CAFM-Produkte zu dem was sie sind. Als vor einigen Jahren die CAD-Softwarehersteller den Einsatz von 3D-fähigen Produkten bei ihren Anwendern aus dem Bereich Architektur- und Bauwesen voranbringen wollten, haben sie die Vermarktung mit der Begrifflichkeit BIM Building Information Modeling verknüpft. Mittlerweile verstehen wir unter BIM viel mehr, als nur den Einsatz einer 3D-fähigen CAD-Software in der Planung von Gebäuden. Historisch gesehen existiert die Begrifflichkeit CAFM länger als BIM. Aufgrund der Historie lassen sich die beiden Fragen aber nicht beantworten.

Hinter den Begriffen BIM und CAFM verbirgt sich eine Vielzahl von Prozessen. Bei CAFM sind die Prozesse in einer einzigen Software zusammengefasst worden. Alle Daten, die aufgrund der Prozesse entstehen, werden in einer Datenbank vorgehalten. Die BIM-Prozesse werden nicht in einer einzigen Software abgebildet, sondern es kommen viele verschiedene Softwareprodukte im Rahmen der Prozesse zum Einsatz. Die Daten werden in den Prozessen über Dateien ausgetauscht. Wenn BIM jetzt das neue CAFM wäre, müsste bei BIM zum Beispiel die gesamte Datenhaltung in einer Datenbank stattfinden. Wenn CAFM das neue BIM wäre, müssten Sie z. B. in der Lage sein, mit CAFM dreidimensional zu konstruieren.

Um welche Art von Prozessen handelt es sich eigentlich und was bilden die Prozesse ab? Worin liegt der Unterschied?

Der Unterschied ist mit einem Satz zu erklären. Bei BIM-Prozessen steht ein Gebäude im Vordergrund und bei CAFM-Prozessen ein Unternehmen, das ein oder mehrere Gebäude nutzt. Aus dieser Sichtweise betrachtet ist weder BIM das neue CAFM oder CAFM das neue BIM. In Deutschland hat der Einsatz von CAFM-Installationen eine wesentlich längere Tradition als in anderen Ländern. Bei BIM ist es genau umgekehrt. Was wir eigentlich überhaupt nicht benötigen ist eine Diskussion, bei der CAFM als Anhängsel von BIM oder BIM als Anhängsel von CAFM verstanden wird.

Warum wird ein Gebäude erstellt, gepflegt, umgebaut, saniert, verkauft oder abgerissen?

Unternehmen wollen expandieren und benötigen dafür ein neues Gebäude. Ein Gebäude ist ein Wertgegenstand. Wertgegenstände müssen gepflegt werden, damit sie ihren Wert behalten. Das Unternehmen wächst weiter und baut das nächste Gebäude. Das Unternehmen wächst wieder und möchte die Liegenschaft effizienter gestalten oder eine neue Liegenschaft suchen. Gebäude werden abgerissen oder die Gebäude werden verkauft.

Ein Gebäude wird mit Hilfe von BIM komplett erstellt. Am Ende erfolgt die Übergabe. Alle Daten einschließlich der dreidimensionalen Gebäudegrafik werden als vollständige digitale Dokumentation dem Bauherren und Betreiber übergeben. Zukünftig werden das Gebäude und die digitalen Daten des Gebäudes mit dem Einsatz von CAFM bewirtschaftet und gepflegt. Mit Hilfe von CAFM werden alle Gebäude und alle Infrastrukturen des Unternehmens bewirtschaftet und gepflegt. Ein Gebäude aus dem Bestand soll jetzt umgebaut werden. Das komplette digitale Gebäude mit allen seinen gepflegten Daten wird dem BIM-Planer-Team übergeben. Nach dem Umbau kommen die Daten auf dem aktuellen Stand wieder zurück und werden wie selbstverständlich wieder in den CAFM Datenbestand eingepflegt. In einem anderen Fall verkauft ein Unternehmen ein Gebäude. Der Käufer erhält als begleitende Dokumentation den kompletten digitalen Datensatz des Gebäudes. Wenn es umgebaut werden soll, bekommt das BIM-Planer-Team des Käufers die Daten oder alternativ wird das digitale Gebäude sofort in die CAFM des Käufers eingelesen.

So kann man getrost auf die Eingangsfragen „Ist BIM das neue CAFM oder CAFM das neue BIM?“ mit einem zweifachen „Nein“ antworten. Eine erweitere Fragestellung wäre „Was muss geschehen, damit BIM das neue CAFM oder CAFM das neue BIM wird?“ Dem Anwender von Software selbst ist die Betrachtungsweise eigentlich völlig egal. Der Anwender – egal ob Planer oder Gebäudebesitzer – erwartet von den Softwareherstellern, dass die digitalen Gebäuden möglichst elegant in allen Prozessen genutzt werden können und dass es allen Beteiligten möglichst einfach gemacht wird, alle notwendigen Dokumentation einfach, schnell und sicher zu erstellen.

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