Ist die Nutzung von BIM ein Wettbewerbsvorteil?

Wir müssen im ersten Ansatz dann erst einmal die Frage klären, wer mit wem wo und wann im Wettbewerb steht.

Wir müssen uns über den Zeitpunkt und den Ort des Geschehens Gedanken machen. Als Stichtag nehme ich den Zeitpunkt, an dem mein Artikel erscheint. Von heute an können wir zurück und nach vorn blicken. Als Ort des Geschehens nehme ich Deutschland an. Auch wenn ich in vielen Dingen mehr als Europäer und hin und wieder auch als Weltbürger denke, vereinfacht es die Beantwortung der Frage, wenn ich meine Überlegungen auf Deutschland reduziere.

Die Zeit und der Ort sind schon entscheidend. Die momentane Situation in der wir uns befinden entspricht der Situation in der sich zum Beispiel die USA, Norwegen, Finnland, Australien und andere Nationen vor sechs bis sieben Jahren befunden haben. Diese Nationen haben Deutschland gegenüber einen Wettbewerbsvorteil. Mir geht es aber nicht um die weltweite Betrachtung.

Es geht mir mehr darum, zwei Planer in Deutschland zu vergleichen. Der eine arbeitet bereits mit BIM und der andere noch nicht. Beide machen ein Angebot für ein Projekt. Der eine macht eine grobe Kostenschätzung und der BIM erfahrene kann bereits auf der Basis einer detaillierten Kalkulation ein Angebot unterbreiten. Beide Angebote erreichen den Bauherren zur gleichen Zeit. Welchem Angebot vertraut der Bauherr mehr? Ich zumindest würde eher mit dem Planer in die Diskussion eintreten, der mir bereits konkretere Daten liefern kann. Wie soll ich mit dem anderen Planer über Alternativen diskutieren, wenn er mir nur eine grobe Schätzung einer Variante liefern kann. Das Beispiel ist vielleicht etwas zu einfach, aber es soll zeigen, dass ein mit BIM versierter Planer viel früher zu tragfähigen Aussagen kommt und somit einen Wettbewerbsvorteil hat.

Momentan befinden wir uns in Deutschland in einer frühen BIM-Phase. Diejenigen, die bereits mit BIM arbeiten, nutzen ihren Wettbewerbsvorteil. Der Vorteil wird noch größer, wenn der Bauherr von vornherein den Einsatz von BIM vorschreibt.

Nun blicken wir einmal in das Jahr 2017. Die deutschen BIM-Richtlinien sind erstellt und immer mehr Unternehmen setzen BIM ein und immer mehr Bauherren schreiben BIM vor. Die Nutzung von BIM ist immer noch in der Phase, in der es eindeutig um einen Wettbewerbsvorteil geht. Deutschland hatte weitere Erfahrungen gemacht. Nun sind wir im Jahr 2020. Die Sichtweise verändert sich jetzt ein wenig. Nicht die Nutzung von BIM ist jetzt ein Wettbewerbsvorteil, sondern die Nichtnutzung von BIM stellt jetzt einen enormen Wettbewerbsnachteil dar.

Aber auch die Fragestellung verändert sich jetzt ein wenig. Nun müssen wir die Frage stellen „In welchem Fall stellt die Nutzung von BIM einen Wettbewerbsvorteil dar?“. Wenn alle Unternehmen BIM einsetzen, muss man anfangen, die Art und Weise der Nutzung von BIM zu hinterfragen. Die Bauherren schreiben dann nicht nur den Einsatz von BIM vor, sondern haben darüber hinaus höhere Ansprüche an die Qualität von BIM und an die Zusammensetzung der BIM-Teams. Der im Jahre 2020 noch ausreichende Nachweis einer einfachen BIM-Zertifizierung ist, wenn wir noch ein wenig weiter in die Zukunft blicken, nicht mehr ausreichend. Eine Zertifizierung trifft nur die Aussage „geschafft“ oder „nicht geschafft“.

Aktuell ist die Nutzung von BIM ein Wettbewerbsvorteil. In fünf Jahren spreche ich sie dann wieder auf das Thema BIMcheck und BIMrating an. Noch lasse ich Sie damit in Ruhe. Aber wer jetzt als Unternehmer in Deutschland nicht mit BIM beginnt, der muss sich im Jahre 2020 oder später keine Gedanken mehr über eine höhere BIM-Qualifizierung machen. Ihre Unternehmen gibt es dann vielleicht noch. Aber die Mehrzahl Ihrer Arbeitnehmer hat sich dann bereits nach einem BIM-Arbeitsplatz in einem zukunftsorientierten Unternehmen umgesehen.

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