Wie kann ein Architekt BIM einführen?

Mit der Einführung von BIM setzen sich bereits sehr viele Experten, Berater und Consultants auseinander. Da habe ich mir schon die Frage gestellt, ob es sinnvoll ist, dort noch eine weitere Publikation hinzuzufügen. Mittlerweile gibt es in Deutschland schon einige große Referenzprojekte, die auf diversen BIM-Events präsentiert wurden. Auf diesen Veranstaltungen kommen meist auch immer die gleichen Referenten zu Wort. Alle Redner wiederholen Mantra artig die Vorteile und Vorzüge des Einsatzes von BIM. Jeder Vortrag beruht auf persönlichen Erfahrungen der Redner. Jeder schildert, wie er an das Thema herangegangen ist und welche Erfahrungen er in der Umsetzung von Projekten gemacht hat.

Deutschland ist noch kein BIM-Land. Wir stehen erst am Anfang der Entwicklung. Andere Länder haben einen Erfahrungsvorsprung von bis zu sieben Jahren. Wir können aber auch feststellen, dass die Unternehmen in jedem Land ihre eigenen Erfahrungen gesammelt und sich das Wissen erarbeitet haben. Und jedes Land hat auch beim Start in Richtung BIM unterschiedliche technologische Eingangsvoraussetzungen gehabt.

BIM ist auf dem Weg in Deutschland zu einer ernst zu nehmenden Bewegung zu werden. BIM ist aber mehr nur als das Einhalten von Normen und Richtlinien. Die Einführung von BIM in Deutschland wird mittlerweile von vielen auch als Kulturwandel in der Bauindustrie angesehen. Wir alle werden mit diesem Kulturwandel konfrontiert. Wir alle müssen ihn verstehen und uns damit auseinandersetzen. Nur wenn wir dies schaffen, wird uns eine Einführung von BIM auch gelingen.

Vielleicht gelingt es mir ja, mit meinem Artikel, den ein oder anderen Unentschlossenen zu motivieren, die erst Schritte in Richtung BIM zu machen.

 

Treffen Sie eine Entscheidung

Menschen mögen keine Veränderungen. Menschen möchten lieber, dass alle so bleibt wie es ist. BIM wird die Zusammenarbeit der Menschen in der Bauindustrie nachhaltig verändern. Jeder, egal ob Unternehmer oder Angestellter, muss sich irgendwann zu dem Thema eine eigene Meinung bilden und eine Entscheidung treffen. Weil BIM vieles in der Zusammenarbeit verändert, muss auch jeder davon überzeugt sein oder überzeugt werden. Wer nicht wirklich von BIM überzeugt ist, der sollte nicht mit der Einführung von BIM beginnen. Halbherzigkeit können Sie sich als Unternehmer nicht leisten. Mit der Aussage „Wir können es ja einmal ein wenig probieren“ geben Sie den Skeptikern in Ihrem Unternehmen genügend Raum, kleine Rückschläge oder Misserfolge sofort zu nutzen, um gegen die Einführung von BIM Stimmung zu machen. Zeigen Sie von Anfang an, dass Sie als Unternehmer von BIM überzeugt sind. Treffen Sie keine einsame Entscheidung zur Einführung, sondern nehmen Sie von Anfang an Ihre Mitarbeiter mit ins Boot. Es reicht nicht, dass nur wenige in Ihrem Unternehmen überzeugt sind. BIM ist Teamwork. Nur wenn das Team gut zusammenspielt, dann schaffen Sie es. Es reicht auch nicht, dass Sie selbst davon überzeugt sind, dass alle ein Team sind. Sind wirkliche alle ein Team? Stellen Sie sich selbst die Frage und beantworten Sie die Frage sich selbst gegenüber ehrlich. Wenn Sie sich nicht wirklich sicher sind, dann suchen Sie sich einen externen Sparringspartner und sprechen Sie offen mit ihm über die Lage. Ihr Ziel ist es, dass die Einführung von BIM beim ersten Versuch gelingt und nicht erst beim zweiten Versuch.

BIM zu machen, nur, weil andere es wollen, dass Sie es tun, ist keine Grundlage für eine Entscheidung, sondern nur ein Einstieg, um darüber nachzudenken. Mit BIM zu beginnen, weil Sie sich anderen gegenüber einem Wettbewerbsvorteil versprechen, ist zwar eine interessante Zielsetzung, aber zu kurz gedacht. Wenn nach zwei bis drei Jahren alle BIM machen, ist der Vorteil dahin. Dann müssen Sie sich eine neue Zielsetzung zum Thema BIM einfallen lassen und das wird schwer werden. Sie sind zu sehr auf Ihren Vorteil fixiert und das hat mit dem Kulturwandel nichts zu tun. Außerdem ist die Einführung von BIM nur der erste Schritt. Sie werden es im Laufe der Einführung merken, dass es sinnvoll ist, das BIM in Ihrem Unternehmen immer weiter zu perfektionieren.

 

Formulieren Sie Ihre Ziele

Sie haben die Entscheidung getroffen, in Ihrem Unternehmen BIM einzuführen. Die Entscheidung ist Ihnen nicht leichtgefallen, aber die meisten in Ihrem Unternehmen konnten Sie mitnehmen. Ohne Skeptiker geht es nicht. In den nächsten Wochen wird es Ihnen und Ihrem Team ja vielleicht gelingen, die Skeptiker zu überzeugen. Wer sich nach einer erfolgreichen Einführung von BIM immer noch skeptisch verhält, wird sich selbst immer weiter vom Team entfernen.

In der Entscheidungsphase hat es mit Sicherheit auch Fragen nach dem Warum, dem Wieso oder dem Wozu gegeben. Sie haben über mögliche Ziele und Szenarien gesprochen. Nun ist die Zeit, konkrete Ziele zu formulieren und Zeiträume festzulegen. Alle beteiligten Komponenten kommen auf den Prüfstand: Ihre Software, Ihre Hardware, Ihr Netzwerk, Ihre Kommunikation, Ihre Lieferanten, Ihre externen Partner, Ihre Nachunternehmer und – last but not least – Ihr Wissen. Vergessen Sie bei allen Überlegungen nicht Ihre Kunden! Auch an dieser Stelle sollten Sie nichts dem Zufall überlassen. Sie können die Dinge selbst in die Hand nehmen oder einen externen Berater oder Moderator auf Zeit mit hinzuziehen. Der Externe könnte dann auch die Einhaltung Ihrer Ziele überwachen und rechtzeitig gegensteuern. Die erste Einführung von BIM soll erfolgreich sein. Eine grundsätzliche zweite Einführung von BIM ist viel schwerer. Es ist ja kein wirklicher Neubeginn. Ihr Team muss wieder neu motiviert werden und Sie haben bereits Zeit und Geld investiert und Sie müssen wieder neu investieren.

Tipp: Nutzen Sie die Einführung von BIM ebenfalls dazu, Ihre eigene Projektorganisation zu ändern. BIM können Sie nicht wie ein konventionelles Bauprojekt nach der CMP-Methode (Methode des kritischen Pfades) organisieren und einführen. Auf der Baustelle sind Balkendiagramme sinnvoll und übersichtlich, aber Ihr Projekt BIM-Einführung funktioniert am besten mit der Kanban Technik, zum Beispiel mit der Software Lean4Team. In diesem Fall können Sie die Software gleich in zwei Projekten einsetzen: 1. Für die Einführung von BIM und 2. für Ihr erstes BIM-Projekt. Etwas „Agiler“ und „Leaner“ darf die Einführung schon verlaufen. Motivieren Sie Ihren BIM-Berater, dieses Medium einzusetzen. Reduzieren Sie von Anfang an die zeit- und kostenintensiven Projektbesprechungen auf ein Minimum. Beziehen Sie von Anfang an alle beteiligten Personen offensiv mit in das BIM-Einführungs-Projekt ein. Nehmen Sie es ernst mit der Transparenz und Effizienz. Bei weiteren Fragen, können Sie sich gern an mich wenden.

 

Schaffen Sie die Voraussetzungen

Sie haben Ihre Unternehmensziele mit oder ohne Hilfe formuliert. Nun müssen Sie die Voraussetzungen schaffen. Ihr Unternehmen ist ein Teil in der digitalen Kette in der Bauindustrie. Beim Schaffen der Voraussetzung müssen wir jetzt differenzieren. Es gibt die Investoren und Bauherren, es gibt die große Gruppe der unterschiedlichen Fachplaner, es gibt die Bauzulieferindustrie und die vielfältigen Bauunternehmen und zum Schluss kommen die Gebäude- und Bauwerksbesitzer und deren Bauunterhalter. Alle sind an den BIM-Prozessen beteiligt. Gebäude und Bauwerke werden real erstellt und zu jedem Zeitpunkt werden digitale Daten erzeugt und hinzugefügt. Jeder dieser großen Gruppen nutzt eigene digitale Werkzeuge. In der nachfolgenden Betrachtung konzentriere ich mich auf die Gruppe der Fachplaner. Building Information Modeling nutzt als Basis ein dreidimensionales digitales Gebäude- oder Bauwerksmodell. Die nächsten Absätze sind jetzt von technischen Sachverhalten geprägt, von denen der ein oder andere von Ihnen schon oft auf BIM Events gehört hat. Die Einführung von BIM hat mit digitalen und emotionalen Momenten zu tun. Nun wird es ein wenig technisch und digital.

Fast jeder Planer nutzt mittlerweile eine CAD-Software. Überprüfen Sie deshalb, ob Sie mit Ihrer Software in der Lage sind, dreidimensionale Objekte zu erstellen. BIM setzt voraus, dass Sie im Planungsprozess intensiv diese Dateien im Team mit anderen Fachplanern austauschen. Wir unterscheiden dann zwei Fälle. Die beiden Varianten heißen Open-BIM und Closed-BIM. Wenn Sie und Ihre Partner alle die Softwareprodukte des gleichen Herstellers nutzen, dann können Sie die Daten im Planungsprozess auf der Basis von Closed-BIM austauschen. Wenn Sie unterschiedliche CAD-Softwareprodukte nutzen, dann arbeiten Sie mit der Open-BIM Variante. Dann benötigen die beteiligten Softwareprodukte eine funktionstüchtige IFC-Schnittstelle. Die Wand des Architekten muss bei dem Tragwerkplaner und dem Gebäudetechniker als Wand in der Bearbeitung erscheinen. Wenn das nicht der Fall ist, dann sollten Sie sich externe Hilfe holen. Am besten fragen Sie jemanden, der allen Softwareherstellern gegenüber neutral ist. Zum BIM Kulturwandel gehört auch, dass nicht nach Schuldigen gesucht wird, sondern dass Hindernisse schnell und zügig durch das Team beseitigt werden. In diesem Fall fällt es den unterschiedlichen CAD-Systemhäusern noch schwer, eine neutrale und offene Antwort zu geben. Die IFC-Schnittstelle ist genormt. Aber nicht jeder Softwarehersteller hält diese ISO-Norm so ein, wie der Anwender es erwartet. Kurzfristig mag Closed-BIM eine gute Lösung sein. Deutschland bzw. das BMVI setzt aber eindeutig in seinen Projekten auf Open-BIM. Und Sie wissen es auch nicht, in welchen Projekten Sie zukünftig als Unternehmer mitmachen werden.

Überprüfen Sie auch Ihre komplette Hardware-, Netzwerk- und Kommunikationsumgebung, ob Sie dort Änderungen oder Erweiterungen vornehmen müssen, um in einem Team mit internen und externen Mitarbeitern problemlos digitale Daten austauschen zu können. Holen Sie sich für diesen Part externen Rat und externe Unterstützung. Klären Sie diese Punkte frühzeitig und nicht erst, wenn Sie Ihr erstes kleines konkretes Projekt umsetzen wollen.

Und zum Schluss kommt Ihr Wissen und das Wissen Ihrer Mitarbeiter auf den Prüfstand. Sie haben Ihre CAD-Software und die digitale Umgebung überprüft. Können Ihre Planer, Konstrukteure und technischen Zeichner alle mit der Software dreidimensional konstruieren? Es reicht nicht aus, es einmal probiert zu haben. Alle im Team müssen ihr dreidimensionales CAD-Werkzeug perfekt beherrschen. Jeder muss oder zumindest sollte in der Lage sein, aller dreidimensionalen Objekte nutzen zu können. Eine Wand ist eine Wand. Eine Stütze ist eine Stütze. Ein Lüftungskanal ist ein Lüftungskanal. Eine Stütze ist kein Geländer Pfosten und ein Dach ist keine Rampe für die Tiefgarage. Die Beherrschung des 3D-CAD-Werkzeugs ist eine essentielle Grundlage für eine erfolgreiche Umsetzung von BIM! Sobald Sie ja zu BIM gesagt haben und sobald Sie Ihre Software überprüft haben, sollten Sie umgehend CAD-Schulungen ansetzen, wenn das Wissen nicht oder nur ungenügend vorhanden ist.

 

Legen Sie die grundsätzlichen Rollen fest

Sie haben die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Einführung von BIM in Ihrem Unternehmen geschaffen. Nun müssen Sie sich um die beteiligten Personen und deren Rollen in BIM-Projekten und in Ihrem Unternehmen Gedanken machen. Bei dem Wort Rollen und die Besetzung von Rollen denkt jeder sofort an ein Theaterstück oder ein Schauspiel. Es geht aber mehr darum die Aufgaben der internen und externen Mitarbeiter zu Beginn eines BIM-Projektes zu definieren und für alle Beteiligten transparent darzustellen. Offen, ehrlich und transparent – nicht verschlossen, unehrlich und nur auf den eigenen Vorteil bedacht.

Für jedes Projekt benötigen Sie ein Team. Das ist noch nichts grundlegend Neues. Nur die Art und Weise wie das Team in der gesamten Planungsphase zusammenarbeiten wird, ist grundsätzlich neu. Alle arbeiten gemeinsam an einem digitalen Gebäudemodell. Jeder der im Team mitmacht, kann sofort sehen, wie weit die Planung des Gebäudes vorangeschritten ist und wann er mit seiner Aufgabe beginnen kann. Die gesamte Korrespondenz und Kommunikation untereinander ist mit diesem digitalen Gebäudemodell eng verknüpft. Jeder übernimmt im Team eine Aufgabe. Die Summe der Aufgaben wird in der Rolle definiert, bevor mit dem Projekt begonnen wird. Der Tragwerksplaner und der Gebäudetechniker sind von Anfang an involviert und stoßen nicht erst dann hinzu, wenn der Architekt fertig ist.

Das Projekt soll erfolgreich umgesetzt werden. Das Team und das Zusammenspiel der einzelnen Team-Mitglieder machen den Erfolg aus. Selbstdarsteller oder Egomanen haben im Team keinen Platz. Das Team soll auch knifflige Konstruktionssituationen gemeinsam lösen und sich gegenseitig unterstützen. Die Guten helfen wie selbstverständlich den Schwächeren. Die Schwächeren oder Unwissenden müssen die Chance haben, Fragen zu stellen und um Hilfe zu bitten. Jetzt ist es an der Zeit, gute Ideen vorzubringen und nicht erst auf der Baustelle mit seinem Wissen zu glänzen, wenn eine unausgereifte Planung mit einem unverhältnismäßigen hohen Aufwand korrigiert werden muss. Das Team ist nur so gut, wie der Schwächste im Team. Es liegt in der Natur der Sache, dass immer einer im Team der Schwächste ist. Auch Sie können es einmal selbst sein. Nur wenn jeder seiner Rolle gewachsen ist, kann das Team gewinnen. Ein Ellenbogen-Einsatz nicht untereinander im Team, sondern nach außen für das Team ist gefragt.

BIM wird die bestehenden Berufsbilder verändern und es wird neue Berufsbilder geben. In kleinen Unternehmen kann es durchaus sein, dass eine Person mehrere Rollen übernimmt. In großen Unternehmen werden neue Arbeitsplätze eingerichtet werden. Wichtig ist, dass Sie alle Rollen und deren Aufgaben kennen. BIM wird sich auch nach und nach verändern und erweitern. Die Aufgaben und Rollen werden sich ebenfalls verändern und erweitern. Es ist egal, ob Sie ein Investor, Bauherr, Architekt, Fachingenieur, Konstrukteur, technischer Zeichner, Bauunternehmer, Facility-Manager oder Produktlieferant sind. Jeder von Ihnen wird im Projekt eine Rolle übernehmen. Die neuen Berufsbilder oder Rollen könnten auch BIM-Direktor, BIM-Manager, BIM-Information-Manager, BIM-Konstrukteur, BIM-Koordinator, BIM-Bibliothekar, BIM-Qualitätsmanager, BIM-Investor-Manager, BIM-Industrie-Manager, BIM-Bau-Manager, BIM-Kalkulator, BIM-Bauunterhaltung-Manager, BIM-Abriss-und Entsorgung-Manager, BIM-Consultant, BIM-Produkt-Manager, BIM-Softwareentwickler, BIM-Trainer, BIM-Professor oder BIM-Dozent heißen.

Tipp: Machen Sie sich Gedanken über die Zusammensetzung von Teams und die jeweiligen Rollen, die besetzt werden müssen. Planen Sie Ihre Planung mit der Kanban Technologie. Machen Sie Ihre Aktivitäten transparent. Wenn Sie sich nicht sicher sind, dann fragen Sie einen externen Berater Ihres Vertrauens oder zum Beispiel das BIM Service Network. Das BIM Service Network ist ein Zusammenschluss von unabhängigen BIM-Spezialisten.

 

Suchen Sie sich ein passendes Projekt

Sie haben sich Gedanken über die Rollen und deren Aufgaben gemacht. Nun benötigen Sie ein passendes Projekt, um Ihr erstes BIM-Projekt erfolgreich zu beginnen. Wenn Sie in einigen Jahren um viele Erfahrungen reicher sind, werden Sie sich keine Gedanken mehr darübermachen, welches Projekt sich zum Start eignet. Nun sollten aber das BIM-Projekt zu Ihrem möglichen BIM-Team und das mögliche BIM-Team zum Projekt passen.

Denken Sie nicht nur an das Projekt und an das Team, sondern auch daran, dass Sie Ihren Auftraggeber/Kunden/Bauherren mit ins Team holen und ihn darüber informieren, wie Sie das Projekt umsetzen wollen. Nicht nur Sie und Ihr Team, sondern alle an den Prozessen beteiligten Personen und Unternehmen sind vom Kulturwandel betroffen.

Eine der wichtigsten Änderungen im Ablauf ist, dass die Planung eines Gebäudes oder Bauwerks erst komplett vollendet wird, bevor die Arbeiten auf der Baustelle beginnen. Je größer ein Projekt wird, desto schwieriger ist es, allen Beteiligten dieses klarzumachen und diese Regel auch wirklich einzuhalten. Planungsfehler sollen vermieden werden und Nachträge zu Aufträgen auf ein Minimum beschränkt werden. Im Idealfall werden sich alle Beteiligten in der Bauphase nur noch mit Ausführungsmängeln auseinandersetzen. Der Auftraggeber spielt in der digitalen Kette auch eine Rolle. Er muss seine Wünsche in Form von Baubeschreibungen und Raumbüchern schon sehr konkret formulieren. Ständige Änderungen und Erweiterungen verlängern die Planungsphase. Alle Mitglieder des Teams müssen die Änderungen wieder in das digitale Modell einarbeiten.

Es gibt auch sehr große Projekte, die eine lange Laufzeit haben und in mehreren Abschnitten geplant und gebaut werden. Wenn sich dann in diesem langen Zeitraum grundsätzliche Änderungen auf der Basis von neuen Vorschriften oder Veränderungen der wirtschaftlichen Lage ergeben, muss im Einzelfall entschieden werden, wie alle Beteiligten im Projekt damit umgehen sollen. Solch ein Projekt eignet sich aber nicht für Ihren Einstieg in BIM.

Tipp: Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Ihr Einstiegsprojekt das richtige für Sie und Ihr Team ist, dann holen Sie sich externe Hilfe. Und nicht vergessen: Die Planung muss transparent geplant werden!

 

Stellen Sie ein Team zusammen

Sie haben ein passendes Projekt gefunden und Ihren Auftraggeber mit ins Boot geholt. Jetzt wird es Zeit, ein Team zusammenzustellen.

Ihr Planungsteam besteht aus einem Architekten und einem Tragwerksplaner. Sie stellen das Projekt vor. Im Gespräch stellt sich heraus, dass es sinnvoll ist, noch einen Gebäudetechniker mit hinzu zu ziehen. Sie besprechen mit Ihrem Team, welche Rollen und Aufgaben jeder übernehmen soll und wie lange jeder für seine Aufgaben benötigen wird. Bei einem kleinen Projekt und einem kleinen Team werden Sie relativ schnell einen Planungszeitraum ermitteln können und feststellen, ob sich dies mit den Wünschen des Auftraggebers deckt. Spannend zu diesem Zeitpunkt ist die Frage, ob Kreativität planbar ist. Sie halten die Rollen und die Aufgaben schriftlich fest. Diese Informationen sind ein Teil des BAP BIM-Abwicklungsplans. Einen Bauzeitplan gibt es immer. Haben Sie auch schon einmal darüber nachgedacht, einen Planungszeitplan aufzustellen? Solch ein Zeitplan unterstützt Sie dabei, wenn Sie das Projekt nach dem Abschluss Revue passieren lassen. Sie und Ihr Team wollen sich beim nächsten Projekt verbessern.

Tipp: Das Team ist zusammengestellt. Auch hier gilt: Wenn Sie sich nicht sicher sind, holen Sie sich externe Hilfe. Spätestens jetzt sollten Sie eine Software für die Planung der Planung einsetzen. Das Stichwort heißt Kanban-Technologie. Ich helfe Ihnen gern weiter.

 

Bereiten Sie ein Projekt vor

Sie haben ein Team zusammengestellt. Bisher sind Sie es gewohnt, dass die Fachplaner nach und nach in die Planung mit einsteigen. Das geschieht jetzt auch, nur sie sind besser vorinformiert.

Der Architekt stellt jetzt gemeinsam mit dem Bauherrn ein möglichst lückenloses Raumbuch und eine Baubeschreibung zusammen. Diese Informationen sind ein Teil der AIA Auftraggeber-Informations-Anforderungen. Auf der Basis kann er jetzt einen ersten Entwurf machen. Aber hat er auch alle notwendigen Dinge beisammen?

Für seinen dreidimensionalen Entwurf benötigt der Architekt eine Vielzahl von dreidimensionalen Objekten. Wenn Sie schon mehrere Projekte umgesetzt haben, verfügen Sie über eine große Bibliothek. Aber bei Ihrem ersten Projekt müssen Sie sich alle notwendigen dreidimensionalen Objekte beschaffen. Die Suche kann sich unter Umständen als schwierig und langwierig erweisen. Die Produkthersteller erkennen nach und nach, dass sie ihre Produkte auch in dreidimensionaler digitaler Form für die Planung bereitstellen müssen, aber es dauert, bis es auch alle umgesetzt haben. Wenn Sie Projekte auf Basis der BIM-Prozesse umsetzen wollen, dann müssen Sie auch an diese kleinen Details denken. Informieren Sie auch alle anderen Team-Mitglieder, dass sie für ihr Fachgebiet ebenfalls die dreidimensionalen Objekte benötigen.

Im Zusammenhang mit BIM wird immer wieder über den Detaillierungsgrad gesprochen. Wenn Sie ein Türobjekt aus einer Softwarebibliothek einsetzen, hat diese Tür eventuell einen anderen Detaillierungsgrad als die Tür eines Türenherstellers. Je höher der Detaillierungsgrad ist, desto größer wird die Datenmenge. Sprechen Sie mit den Team-Mitgliedern über den Detaillierungsgrad. Wenn am Ende der Planung das digitale Gebäudemodell an den Bauunternehmer oder Generalunternehmer übergeben wird, dann muss jedes Bauteil eindeutig beschrieben sein und in allen zweidimensionalen Baustellenplänen eindeutig sein. Als Architekt müssen Sie irgendwann den simplen Tür-Platzhalter gegen die gewollte spezielle Herstellertür austauschen. Der Bauunternehmer bestellt sonst eine beliebige Tür anstelle der vom Bauherren und Architekten gewünschten und vereinbarten Tür.

Wenn Sie ein kleines Unternehmen haben, wird einer Ihrer Mitarbeiter die Aufgabe eines BIM-Bibliothekars übernehmen. In großen Unternehmen kann dies ein eigenständiger Arbeitsplatz werden. In Ihren ersten Projekten können Sie auch auf die Standardbibliotheken der Softwarehersteller zurückgreifen. Die detaillierte optische Darstellung ist dann aber meist nicht stimmig und könnte zu Irritationen führen. Sie müssen dann dafür sorgen, dass die Objekte eine eindeutige Bezeichnung und Artikelnummer bekommen. Auf Dauer gesehen ist es nicht zielführend!

Jedes reale Gebäude wird später auf einem realen Grundstück stehen. Für jedes Ihrer digitalen Projekte benötigen Sie ebenfalls einen digitalen Ort, zu dem alle am Projekt beteiligten Personen einen Zugriff haben. Es gibt hierfür die unterschiedlichsten Strategien, Vorgehensweisen und Anbieter. An dieser Stelle sollten Sie sich vorher auf alle Fälle eine externe Unterstützung holen.

Tipp: Alle Vorbereitungen sind jetzt getroffen. Wenn Sie oder Ihr Team nicht sicher sind, ob an alles gedacht wurde, dann holen Sie sich externe Hilfe. Fragen Sie Ihren externen Berater oder das BIM Service Network. Wenn Sie es nicht schaffen, alle Positionen in Ihrem Projekt-Team zu besetzen, dann hilft Ihnen das BIM Service Network gern weiter. Das BIM Service Network kann Ihnen auch einen digitalen Projektstandort einrichten.

 

Setzen Sie das Projekt um

Alle Projektvorbereitungen sind getroffen. Die digitalen Kommunikationswege sind geprüft. Ihr BIM-Koordinator wartet auf die ersten dreidimensionalen digitalen Projektdaten, um diese auf Kollisionen und Ungereimtheiten zu prüfen.

Nun müssten Sie eigentlich einen kleinen Schreck bekommen. In einem der vorangegangenen Kapitel habe ich auch über neue Berufsbilder gesprochen. Auch wenn Menschen digital und dreidimensional zusammenarbeiten, können Sie Fehler machen. In jedem großen Projekt können sich unbeabsichtigt Fehler einschleichen. Ohne BIM stellen Sie diese aber erst auf der Baustelle fest. Mit BIM können Sie diese Planungsfehler aber schon viel früher feststellen und beseitigen. Ob und wann Sie in einem Projekt einen dedizierten BIM-Koordinator oder einen BIM-Information-Manager benötigen, kann keiner pauschal beantworten. Nur die digitalen Daten müssen in der Planungsphase überwacht und kontrolliert werden.

Gehen wir einmal davon aus, dass Ihr Team das erste Projekt umgesetzt hat. Dann übergeben Sie das komplette digitale Paket an Ihren Bauunternehmer. Oft ist dies heute ein Generalunternehmer. Alle Informationen sind direkt mit den digitalen Objekten verknüpft. Der Generalunternehmer übernimmt diese Daten, verarbeitet Sie in seinen Programmen weiter und erstellt das Gebäude oder Bauwerk.

Nun kommt der vorerst letzte Schritt in der digitalen Kette. Meine Kapitel haben sich ja im Schwerpunkt bewusst auf den planerischen Bereich beschränkt. Der Bauherr wird das Gebäude nicht selbst betreiben, sondern hat dafür einen Betreiber ausgesucht. Der Bauunternehmer hat nicht nur das Gebäude erstellt, sondern auch alle dabei entstanden Informationen den digitalen Objekten hinzugefügt. So kann jetzt eine lückenlose und aktuelle digitale Dokumentation an den Betreiber übergeben werden.

Auch wenn Ihr erstes Projekt keinen so großen Umfang hat, dokumentieren Sie mit allen Beteiligten die Entstehung des Gebäudes oder Bauwerks bis zu Ende und übergeben Sie Ihrem Auftraggeber diese digitale, aktuelle und lückenlose Dokumentation.

Sie haben Ihr erstes Projekt mit BIM umgesetzt. Nun wollen Sie aufgrund der guten Erfahrungen sofort mit dem nächsten Projekt beginnen. Nehmen Sie sich aber einen Moment Zeit für eine Revision.

 

Revidieren Sie das Projekt

Sie haben Ihr erstes Projekt erfolgreich umgesetzt. Da alle offen und transparent zusammengearbeitet haben, weiß auch jeder, was gut gelaufen ist aber auch, was weniger gut gelaufen ist. Fassen Sie aber die Ergebnisse für Ihr Team auch für sich zusammen. Im Archiv Ihres Kanban Boards können Sie jede einzelne Aktivität noch einmal nachlesen und nachvollziehen.

Sie und Ihre internen und externen Mitarbeiter haben viele Dinge in der Zusammenarbeit neu gemacht und viele Dinge gelernt und erfahren. Revidieren Sie zu diesem Zeitpunkt Ihr erstes Projekt.

Sind Sie in der Zeit geblieben? Haben Sie alle Vorbereitungen gut gemacht? Haben Sie etwas vergessen? Hat die digitale Kommunikation funktioniert? Haben Sie sogar Zeit eingespart, weil die sonst notwendigen Planungsbesprechungen mit Hilfe der Kanban-Technologie drastisch reduziert werden konnten? Wie hat das Team funktioniert? Sind alle mit dem Kulturwandel klar zurechtgekommen? Müssen Sie zukünftig spezielle BIM-Positionen mit neuen Mitarbeitern besetzen? Wie hat Ihr Auftraggeber den Kulturwandel aufgenommen? Muss Ihr Auftraggeber noch intensiver mit in das Team eingebaut werden?

Tipp: Sie sehen, dass es genügend Dinge gibt, über die man nach dem Projekt noch einmal sprechen sollte. Ihr erstes BIM-Projekt ist revidiert. Wenn Sie während der gesamten Phase einen externeren Berater mit dabei hatten, dann geben Sie ihm auch die Gelegenheit, bei der Revision mit dabei zu sein. Schaden kann es nicht. In Ihrem ersten Projekt hat der externe Berater oder das unabhängige BIM Service Network die Funktion des BIM Qualitätsmanagers übernommen.

 

Formulieren Sie neue Ziele

Das erste BIM-Projekt ist abgeschlossen und revidiert. Sie wissen jetzt, wie Sie mit Hilfe von BIM ein Projekt umsetzen können. Warum sollten Sie sich jetzt neue Ziele setzen?

Nutzen Sie die Gelegenheit, im Rahmen der Revision des Projektes gemeinsam mit Ihrem Team neue Ziele für das nächste Projekt zu formulieren. Damit wären wir automatisch wieder beim zweiten Kapitel angekommen. Die Weiterentwicklung von BIM in einem Unternehmen ist ebenfalls ein kontinuierlicher Prozess. Stellen Sie alle Dinge regelmäßig auf den Prüfstand. Gehen Sie Punkt für Punkt regelmäßig von neuem durch. So erkennen und beseitigen Sie nach und nach die Schwachstellen. Sie und Ihr Team oder Ihre Teams verbessern sich so kontinuierlich. Das ist der wahre Wettbewerbsvorteil, den Sie erzielen können.

Tipp: Ganz nebenbei entspricht diese Vorgehensweise auch einem Qualitätsmanagement. In großen Unternehmen kann ich mir auch das Berufsbild eines BIM-Qualitätsmanagers vorstellen. In kleinen Unternehmen kann das BIM Service Network als unabhängiger Dienstleister diese Rolle übernehmen.

 

Epilog

BIM ist ein Kulturwandel in der Bauindustrie. Ich hoffe, dass ich ein wenig dazu beitragen konnte, dies zu verdeutlichen.

Es geht in Projekten nicht darum, nach Schuldigen zu suchen und diese auf Schadenersatz zu verklagen, wenn Fehler gemacht wurden, sondern frühzeitig gemeinsam im Team Fehler zu erkennen und Fehler zu vermeiden. Nebenbei haben Sie und alle Beteiligten die Chance, sich gemeinsam weiterzuentwickeln und die Qualität Ihrer Arbeit kontinuierlich zu verbessern. Unterstützen Sie die Schwächeren im Team, freuen Sie sich gemeinsam mit allen, wenn Ihnen etwas Positives gelungen ist. Sie dürfen sich aber auch gern über Fehler ärgern. Teilen Sie diese negativen Momente auch mit Ihrem Team. Bauen Sie sich gegenseitig wieder auf.

Wenn Sie mit BIM loslegen möchten, aber Hilfe beim Start benötigen, dann sprechen Sie mich gern an. Ich suche für Sie den passenden BIM-Berater. Als Alternative empfehle ich Ihnen ebenfalls das BIM Service Network.

Mit freundlichen Grüßen

Ulf-Günter Krause

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