Wie arbeiten BIM, CAFM und AR zusammen?

Meine regelmäßigen Leser haben sich vielleicht schon einmal über den Titel meines Blogs Gedanken gemacht. Ich beschäftige mich schon relativ lange mit den drei Fachgebieten. Auf die Krönung beziehungsweise die perfekte Durchgängigkeit oder auch die Digitalisierung der Prozesse muss ich noch ein wenig warten. Die technischen Komponenten sind alle existent. Nur die gemeinsame Nutzung lässt noch ein wenig auf sich warten. Kritische Leser werden anmerken, dass einer der drei Begriffe nicht passend ist. Eigentlich müsste ich CAD, CAFM und AR sagen. Aber dazu später mehr.

Worin liegt die größte Herausforderung? In diesem Fall sind es nicht unbedingt die fehlenden Technologien, sondern es ist eine Gruppe von Menschen. Es sind nicht die technisch Interessierten, es sind nicht die Visionäre, sondern es sind die Bremser, die Rückwärtsgewandten und die ewig Gestrigen. Diese Gruppe von Menschen sind leider in unser Gesellschaft aktuell in vielen Bereichen zu finden. Ich begleite unsere gemeinsame IT-Historie bereits seit 30 Jahren aktiv. Die erste CAD-Software, die ich bedient habe, war in der Lage dreidimensionale Architekturobjekte zu verarbeiten. Es hat aber 25 Jahre gedauert, dass das eine oder andere Projekt bei uns damit aktiv angegangen wurde und jetzt erst nach 30 Jahren hat sich die dreidimensionale Konstruktion in der Architektur immer noch nicht durchgesetzt. Liebe Rückwärtsgewandte, nehmen Sie den Fuß bitte von der Bremse und geben Sie Gas.

Welche Technologien gab es in der Vergangenheit als noch keine Computer genutzt wurde. Die Baumeister der Vergangenheit haben bereits Zeichnungen angefertigt. Die Anfänge des Facility Management stammen aus den 50er Jahren. Es gab Gebäude und Zeichnungen und danach fing der Mensch mit der Verwaltung an.

Nun beziehen wir die Computer, die Datenbanken und die Grafik in unsere Betrachtungsweise ein. Damit kommen wir zur historischen Betrachtung der Begriffe CAD, AR und CAFM. Der Begriff CAD existiert seit Anfang der 60er Jahre. 1965 wurde die erste CAD-Software bei Lockheed entwickelt. Die erste Augmented Reality Anwendung – kurz AR – wurde zum ersten Mal im Jahre 1990 im Hause Boeing genutzt. Die CAFM-Systeme entwickelten sich als Ableger der GIS-Systeme. Die ersten ernst zu nehmenden CAFM-Softwareprodukte habe ich Mitte der 90er Jahre gesehen und bedient. Die Mehrzahl der CAFM-Produkte kamen dann vor 15 Jahren.

Tipp: Wer sich intensiver mit dem Thema Augmented Reality beschäftigen will und auch das Programmieren mit AR erlernen möchte, der kann an einem Fernstudium teilnehmen. Bei Interesse können Sie mich gern ansprechen. Das Fernstudium ist deutschsprachig.

Obwohl es bereits Ende der 80er gute 3D-CAD-Softwareprodukte in der Architektur gab, konnten sich diese nicht durchsetzen. Die Softwareprodukte und die personellen Strukturen in den Planungsbüros passten nicht zusammen. 3D-CAD war ein Medium für Architekten und Ingenieure und nicht für technische Zeichner. Kaum ein Architekt ist auf die Idee gekommen, damals einen teuren Computer und eine 3D Software für seine Bauzeichner zu beschaffen. Als die PCs Einzug in die Unternehmen gehalten haben, kam die Zeit der 2D-CAD-Software. Anfang der 90er wurden somit viele 2D-CAD-Grundrisse von Gebäuden erstellt. Diese 2D-Pläne bildeten dann die grafische Basis für die ersten grafisch orientierten CAFM-Softwareprodukte. Die Welt ist aber nun einmal dreidimensional und fast eine Kugel und keine Scheibe. Mit den immer leistungsfähiger gewordenen PCs haben auch die 3D-CAD-Softwareprodukte an Qualität und Leistungsfähigkeit zugenommen.

Vor ungefähr 10 Jahren tauchte dann der Begriff BIM auf. In allen Branchen wurde bereits dreidimensional konstruiert, nur die Bauindustrie wollte die 3D-CAD Software nicht annehmen. Die großen Softwarehersteller haben dann über aufwendige BIM-Kampagnen die 3D-CAD in der Bauindustrie etabliert und sind noch dabei. Im Laufe der Zeit hat sich der Begriff BIM verselbständigt. Mit BIM bezeichnet man heute die digitalen Prozesse von der Idee, über die Planung, den Bau, die Bewirtschaftung bis hin zum Abriss des Gebäudes. So viel zur Historie.

AR kann man kurz und bündig mit einer Gleichung beschreiben: AR = Realität + VR. Und in der Kombination von CAD, CAFM und AR benötigen wir dreidimensional erstellte Architekturmodelle einschließlich der darin enthaltenen Gebäudetechnik, Tragwerksplanung usw. Diese virtuellen Modelle oder auch die virtuelle Realität – kurz VR – helfen uns später dabei, in der CAFM versteckte bzw. in Decken, Böden und Wänden verbaute nicht sichtbare Bauteile mithilfe der AR leichter wiederzufinden. Irgendwann geht jeder Planer oder Facility-Manager einmal in Rente und deren Nachfolger halten dann zweidimensionale Bauzeichnungen in der Hand und versuchen dann so ungefähr sich vorzustellen, wo denn das Bauteil in der Wand, in der Decke oder im Boden verbaut wurde. Dann wird auf gut Glück an einer Stelle mit der Suche praktisch angefangen. Wie schön wäre es, gezielt die Wand, die Decke oder den Boden zu öffnen. Dieses Szenario ist nur ein kleines Beispiel, dessen was möglich ist, wenn endlich die dreidimensionale Konstruktion State of the Art wäre.

Wie sieht jetzt die Realität aus? Wenn und überhaupt gibt es jetzt AR-Lösungen, die sich mit real vorhandenen Objekten zufriedengeben, an denen zweidimensionale Informationen angezeigt werden. Schön und gut. Es ist AR, aber nicht so wie ich mir AR vorstelle.

CAD, CAFM und AR zusammen als ein großer Prozess. Darauf müssen wir hinarbeiten. Die Gelehrten streiten sich jetzt nur, ob dieser große durchgängige Prozess BIM heißt. Jeder versucht die Deutungshoheit zu haben. Diese rückwärtsgewandten Diskussionen sind nicht zielführend. Es geht mir um die Umsetzung des großen umfassenden Prozesses.

Am Anfang war die Idee oder die Notwendigkeit für ein Gebäude. Damit das Gebäude möglichst technisch perfekt geplant wird, wurde es dreidimensional im Computer erstellt. Dieses Modell kann virtuell betrachtet und genehmigt werden. Abgesehen von den Wettereinflüssen konnte das Gebäude nahezu mängelfrei erstellt werden. Das dreidimensionale und aktualisierte digitale Modell konnte mit allen Daten erfolgreich an die Bauunterhaltung nach Fertigstellung des Gebäudes weitergegeben werden. Alle konstruktiven Veränderungen im Laufe der Jahre wurden durch die beteiligten Planer und Facility Manager in das digitale Modell mit eingearbeitet und so auf dem aktuellen Stand gehalten. Mithilfe der Unterstützung von AR konnten alle Reparatur- und Wartungsarbeiten trotz der anstehenden regelmäßigen Personalwechsel kostengünstig umgesetzt werden.

Technisch ist meine kleine Beschreibung des Prozesses keine Vision mehr. Digital ist es alles realisierbar. Allein fehlt es noch am Willen des einen oder anderen Beteiligten. In meinem Blog schreibe ich immer noch überwiegend über das Thema BIM. Ich wünsche mir, dass ich dann über den Bereich CAFM in Kombination zu BIM viele positive Artikel schreiben kann. AR entwickelt sich im Fahrwasser von VR immer schneller. In dem Bereich gibt es zum Glück nicht ganz so viele Menschen, die bremsen. Die ewig Gestrigen haben beim Thema AR bereits aufgegeben.

Wenn es denn endlich soweit ist, dass die gesamte BIM-Prozesskette genutzt wird, habe ich wahrscheinlich den Namen meines Blogs um eine weitere neue technische Variante erweitert.

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2 Antworten auf “Wie arbeiten BIM, CAFM und AR zusammen?”

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