BIM + CAFM – der zukünftige Datenfluss

ventil1000x

Einer meiner Leser hat mich gebeten, den Datenfluss zwischen BIM und CAFM ein wenig näher zu betrachten. Eigentlich läuft die Fragestellung darauf hinaus, wie wir früher, heute und morgen mit der Herausforderung umgegangen sind und zukünftig umgehen werden.

Datenfluss konventionell: CAFM = Datenbanken + Objekte + Prozesse

Am Anfang war der Wunsch der Facility Manager, immer wiederkehrende Prozesse im Bereich Wartung und Instandhaltung mithilfe einer Datenbank abzubilden, zu dokumentieren und die einzelnen Aufgaben kontinuierlich in Erinnerung zu rufen. Bei einer Vielzahl von Liegenschaften, Gebäuden und technischen Anlagen benötigt es eine Struktur. Mit einer Datenbank können wir diese unterschiedlichen Strukturen mithilfe von verknüpften Tabellen und Objekten abbilden. Die Mehrzahl der Softwarehersteller hat deshalb eine flexible Objektsicht auf Basis der Liegenschaften, Gebäude, Etagen und Räume und eine flexible Objektsicht auf Basis der Anlagen, Baugruppen, Bauteile und Bauelemente erstellt. Weil die Mehrzahl der Anwender sich bei der Einrichtung einer CAFM-Struktur schwertut, haben die Softwarehersteller die Anlagenstruktur oft auf Basis der DIN und der VDMA erstellt. Die Betrachtungstiefe kann jeder Anwender selbst festlegen.

Datenfluss konventionell: CAFM = (Datenbanken + Objekte + Prozesse) + 2D-Grafik

Eine grafische Darstellung ist immer hilfreich insbesondere bei einer Vielzahl von Liegenschaften, Gebäuden und technischen Anlagen. Deshalb wurden von vielen Softwareherstellern die CAFM-Softwareprodukte durch die Grafik ergänzt. Die Betonung liegt hier auf „ergänzt“. Die Strukturen der Datenbanken wurden erweitert und die Grafik wurde meist an die flexiblen räumlichen und anlagentechnischen Objektsichten angehängt: Etage = CAD-Zeichnung / Raum = Polylinie aus der CAD-Zeichnung / Tür = Türsymbol aus der CAD-Zeichnung. Diese Strategie scheitert an einer technischen Anlage, die sich nicht auf einer einzigen Etage und in einem Raum abbilden lässt. Meist wird dann ein 2D-Symbol zentral in einem Raum platziert. Nicht ideal, ein datentechnischer Workaround, aber eine gelebte Lösung.

Datenfluss Wunschdenken konventionell: CAFM = (Datenbanken + Objekte + Prozesse + 2D-Grafik) + BIM-Modell

Dieser Ansatz, jetzt ein BIM-Modell genau wie die 2D-Grafik als nächstes hinzuzufügen, wäre die logische Konsequenz aus der Historie. An dieser Stelle füge ich keine weiteren Informationen und Kommentare hinzu. Die Reihenfolge passt nicht mehr. Wir brauchen einen neuen Ansatz.

Datenfluss Zukunft: CAFM = BIM-Modell + Datenbanken + Objekte + Prozesse

Was ergibt sich jetzt aus der Umkehrung der Reihenfolge. Das BIM-Modell ist hierarchisch aufgebaut und verfügt über eine Objektstruktur, die wir bisher in unseren CAFM-Lösungen manuell aufgebaut haben. Der manuelle Aufwand kann jetzt entfallen. Die räumlichen und anlagentechnischen Strukturen können wir jetzt automatisiert aus dem BIM-Modell ableiten. Alle technischen Objekte haben einen automatischen Raumbezug. Alle bisherigen CAFM-Prozesse können dann wie gewohnt dort platziert werden, wo wir es als Anwender wünschen. Den einen oder anderen stört es, dass die technischen Anlagen zukünftig in einer viel größeren Tiefe in der Datenbank vorliegen, als sie bisher gewohnt sind. Es ist aber keiner gezwungen, die Prozesse beim kleinsten Bauelement anzusetzen. Eines steht zumindest fest. Der aufwendige manuelle Aufwand zur Erstellung einer CAFM-Lösung entfällt. Der räumliche Bezug der technischen Objekte ist vorhanden und das Wiederauffinden von Objekten auf der Liegenschaft ist ebenfalls mit der grafischen Unterstützung einfacher. Es gibt keine willkürlich platzierten grafischen Symbole als Platzhalter mehr.

Im Falle eines Umbaus oder Verkauf des Gebäudes wäre dann der umgekehrte Datenfluss von CAFM in Richtung BIM beziehungsweise von der Bauunterhaltung in Richtung der Planer ebenfalls realisierbar.

Was machen wir mit den Bestandsdaten in unseren bisherigen Anwendungen?

Wenn sich ein Unternehmen für eine zukünftige Arbeitsweise BIM+CAFM entscheidet, wird es zwangsweise eine Zeit des Übergangs geben und vielleicht auch einen neuen Partner für eine CAFM-Software. Die alten Lösungen und die Strukturen müssen zwangsweise in neue Lösungen mit neuen Strukturen migriert werden.

BIM wird in Deutschland seinen Weg gehen. CAFM wird folgen. Nach und nach werden die Anwender von den alten CAFM-Lösungen auf neue CAFM-Lösungen wechseln. Nicht jeder CAFM-Softwarehersteller wird die finanzielle Potenz haben, etwas Neues zu schaffen. Sobald die Anwender anfangen abzuspringen, entsteht eine finanzielle Abwärtsspirale. Bisher war es für die Softwarehersteller einfach, weitere Themen auf Wunsch der Anwender ihren Lösungen hinzuzufügen. Dies ist jetzt nicht mehr möglich.

Mit den BIM-Modellen bekommen wir ja auch erweiterte Möglichkeiten, die wir mit einer 2D-Grafik nicht haben. Energieverbrauch, Sonne, Licht, Schatten, Wind, Nachhaltigkeit, Versorgung, Entsorgung, Infrastrukturen, Simulationen, alternative Modellbetrachtungen, zukünftige Umwidmung von Gebäuden, Wiederverwertung von Bauteilen, … Mit Sicherheit fallen meinen Lesern spontan weitere Vorteile ein.

Wenn Sie in Ihrem Unternehmen eine strategische Entscheidung für Ihre Anwendung treffen wollen und sich nicht sicher sind, ob es der richtige Weg ist, dürfen Sie mich gern kontaktieren. Ich vertrete keinen Softwarehersteller. Ich bin neutral. Wenn Sie ein Softwarehersteller sind und nach einem strategischen Weg für BIM+CAFM suchen, dürfen Sie mich gern kontaktieren.

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