Die zwei Seiten einer BIM-Medaille

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Momentan haben wir im ARD-Fernsehen die Themenwoche „Zukunft der Arbeit“. Das Thema BIM gehört in Deutschland ebenfalls dazu. Ich möchte aber nicht, dass uns das Thema so entgleitet wie wir es in einer Talkshow am Sonntagabend erlebt haben. Oder wer von Ihnen möchte zukünftig auf sein Smartphone oder die anderen digitalen Hilfsmittel komplett verzichten?

BIM hat in dem Zusammenhang für mich zwei Seiten. Die eine ist eine technische Seite und die andere ist eine menschlich emotionale Seite.

Made in Germany ist über Jahrzehnte ein Markenzeichen gewesen. Der technische Fortschritt und die Errungenschaften, die wir durch die Technik bekommen haben, hat unseren Wohlstand mitbegründet. Mit dem Thema BIM laufen wir in Deutschland dem Fortschritt ein wenig hinterher. Deutschland hat den Anschluss fast verloren und muss jetzt gegenüber vielen Nationen aufholen. Deutschland ist und war in vielen Bereichen technisch führend. Warum sollten wir dies beim Thema BIM nicht auch schaffen: Aufholen, Gleichziehen und Überholen. Die technischen Dinge, die wir zum Thema BIM benötigen, werden uns seit Jahren von den Softwareherstellern präsentiert und seit dem Dezember 2016 beteiligen sich alle Verbände und die offiziellen deutschen Stellen aktiv an der digitalen Revolution der Bauindustrie. Die Richtlinien und Normen werden erstellt. Heute habe ich gelesen, dass der IFC4-Standard am 26.10.2016 in Madrid zur offiziellen europäischen EN ISO 16379 erklärt wurde. Dies hat wiederum Auswirkungen auf alle nationalen Normen, in unserem Falle auf die deutsche DIN. Jetzt gibt es ein offizielles Datenaustauschformat, mit dem grafische Daten in BIM-Projekten ausgetauscht werden. Der technische Fortschritt zum Thema BIM schreitet unaufhaltsam voran.

Wie sieht es aber auf der menschlichen und emotionalen Seite der BIM-Medaille aus?

Der BIM-Prozess verändert die bestehenden Arbeitsabläufe. An Arbeitsabläufen in der Bauindustrie spielen Menschen die entscheidenden Rollen und sind überall beteiligt. Ohne den Faktor Mensch geht es nicht und wird es auch zukünftig nicht gehen. Gebäude und Bauwerke sind Unikate. Jeder Standort ist einzigartig. Weite Teile des Produktionsprozesses sind vom Klima und Wetter des jeweiligen Standortes abhängig. In vielen industriellen Prozessen haben bereits Roboter die Aufgabe von Menschen übernommen. Insbesondere da, wo es um die Produktion von hohen Stückzahlen geht und dort wo der notwendige Bauraum eines Produktes bestimmte Dimensionen nicht überschreitet. Industrielle Prozesse sind an einen oder mehrere feste Standorte gebunden. Wenn Gebäude und Bauwerke erstellt werden, müssen alle zur Erstellung (= Produktion) notwendigen Werkzeuge zum jeweiligen Ort gebracht, aufgebaut und nach Fertigstellung wieder entfernt werden. Fertigteile verkürzen die Erstellung vor Ort. Fertigteile müssen aber ebenfalls vor Ort aneinandergefügt werden. In dem gesamten BIM-Prozess spielt der Mensch die entscheidende Rolle.

Und nun kommen die BIM-Experten und erzählen allen Beteiligten in der Bauindustrie, dass ihre Arbeitsabläufe nicht produktiv genug sind und dass sie deshalb geändert werden müssen. Nur eine Veränderung erhöht die Produktivität und schont unsere Sourcen. Dann bekommt das Kind den Namen BIM, es werden passend dazu die Normen und Richtlinien geändert und auch die digitalen Hilfsmittel bereitgestellt. Ach ja, war da nicht noch etwas? Richtig, die viele Unternehmer und Arbeitnehmer in der Bauindustrie sollen ja auch mitmachen!

Die Mehrzahl der Menschen mag keine Veränderungen. Veränderungen rufen Ängste hervor. Aber irgendwie kommt mir alles bekannt vor. Wir hatten diese Diskussionen bereits Ende der 80er als die ersten PCs und Softwareprodukte die Unternehmen in der Bauindustrie erreicht haben. CAD mit dem Computer, Ausschreibungen und Kalkulationen mit AVA-Software, usw. Alle digitalen Hilfsmittel bis hin zu E-Mail und Smartphone nutzen wir heute wie selbstverständlich. Nur unsere Arbeitsabläufe haben sich fast nicht verändert. Jedes digitale Hilfsmittel wird für sich genutzt und wurde im Laufe der Zeit immer mehr perfektioniert. Nun ist es an der Zeit, dass der Mensch den nächsten Schritt geht und die digitalen Hilfsmittel durchgängig in die Arbeitsabläufe mit einbaut und so die Daten von einer Phase zur nächsten Phase übergibt.

Sind die Auswirkungen der neuen Arbeitsweise denn wirklich so dramatisch? Zur Erhöhung der Produktivität gehört auch, dass Kosten eingespart werden, wo es sinnvoll ist. Was spricht also dagegen, wenn wir erst die Planungsphase vollständig abschließen bevor wir mit der Erstellungsphase beginnen. Dann wird es während der Erstellung keine Folgefehler aus Planungsfehlern geben. Planungsfehler führen dann auch nicht mehr zu vielen nachträglichen Aufträgen, die die Baukosten erhöhen. Auch der Bauherr muss umdenken. Es wird ebenso dazu führen, dass es keine Änderungswünsche mehr geben darf, wenn die Erstellung begonnen hat. Der Bauherr und die Planer sind dazu aufgefordert, während der Entwicklungsphase und Planungsphase noch intensiver miteinander zu sprechen als bisher. Je einsichtiger ein Bauherr ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass die Bausumme nicht überschritten wird. Die Erstellung von Bauwerken und Gebäuden ist dann nur noch von ungünstigen Wetterverhältnissen abhängig und nicht mehr von den permanenten Änderungen in der Planung. Dies alles erhöht die Produktivität. So dramatisch ist es also nicht. Jeder, der in der digitalen Kette beschäftigt ist, wird seine Arbeitsweise ändern, wenn er alle Faktoren kennt und sich darauf einstellen und vorbereiten kann.

Nun betrachten wir einmal den emotionalen Teil im BIM-Prozess. Die Änderung der Arbeitsprozesse erfordern auch, dass die Menschen sich ändern müssen. Wenn bisher jeder in einem Team von Spezialisten als Einzelkämpfer agieren konnte und jeder allein an seinem Arbeitsplatz geplant hat, wird dies zukünftig nicht mehr möglich sein. Das Team oder die Zusammenarbeit in Teams bekommt einen anderen Stellenwert. Das Team ist nur so erfolgreich, wie der Schwächste im Team es zulässt. Menschen überspielen Schwäche gern, indem sie sich lautstark in den Vordergrund drängen. BIM macht die Arbeit im Team transparenter. Transparenz deckt fehlendes Wissen auf. Fehlendes Wissen schadet der Produktivität. Endlich haben auch die leisen Zeitgenossen, die über ein geballtes Wissen verfügen, eine Chance, sich zu behaupten. Mit dieser Transparenz werden sich zukünftig alle auseinandersetzen müssen. Alle am BIM-Prozess beteiligten Personen, Arbeitnehmer und Unternehmer, werden es nach und nach lernen, mit der Transparenz umzugehen. Zu Beginn wird es die eine oder andere Besprechung geben, bei der die emotionalen Wellen etwas höherschlagen werden, aber das wird sich einspielen. Gleichzeitig müssen wir aber dafür sorgen, dass die Unternehmensleitungen ihre Mitarbeiter gut vorbereitet in die BIM-Teams entsenden. Die Kultur der Ellenbogen muss einer Kultur der gegenseitigen Rücksichtnahme und Unterstützung weichen. Wo Menschen arbeiten, werden Fehler gemacht. Alle im Team sind dazu aufgefordert, sich zu helfen und nicht sich über die Fehler der anderen zu freuen.

Sollten Sie einmal mit der menschlich emotionalen Seite der BIM-Medaille Schwierigkeiten haben, dürfen Sie sich vertrauensvoll an mich wenden. Es gibt auch Strategien und digitale Hilfsmittel, die Ihnen bei der Einführung von BIM in Ihrem Unternehmen helfen, so dass die „Zukunft der Arbeit“ und die Menschen in Ihrem Unternehmen ein Teil der „Zukunft Ihres Unternehmens“ werden.

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