Quo Vadis BIM Deutschland?

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Nach dem Besuch des ersten BMVI-BIM-Kongresses im Dezember 2015 in Berlin konnte ich mich sofort am nächsten Tag an meinen PC setzen und einen Bericht schreiben. Wenn Sie meinem Blog bereits länger folgen, dann haben Sie diesen Bericht vielleicht gelesen. Nach dem Besuch des zweiten BMVI-BIM-Kongresses vor einigen Tagen in Berlin wusste ich nicht so recht, welche Überschrift ich für meinen Bericht wählen sollte. Meine Eindrücke waren vielschichtig.

„Wohin ich gehe, dorthin kannst du mir jetzt nicht folgen. Du wirst mir aber später folgen.“

Die Zahl der Besucher war mit 425 höher als beim ersten Event. Zahlen sagen etwas über das gewachsene Interesse, aber nicht über die Zusammensetzung des Auditoriums aus. Ich habe einerseits die komplette deutsche führende BIM-Szene, die Vertreter von vielen großen Softwareherstellern, aber auch eine breite Masse mir unbekannten Führungspersönlichkeiten aus deutschen Planungsbüros und Unternehmen der Industrie gesehen. BIM-Experten und Personen, die nur den Begriff BIM kennen und mit Interesse aber auch Hoffnungen nach Berlin angereist sind.

Während die Beiträge des ersten Kongresses eine Aufbruchsstimmung erzeugt haben, haben es die Beiträge in diesem Jahr nicht geschafft, daran anzuknüpfen. Deshalb fällt es mir auch schwer zu berichten. Aus meiner Sicht waren die Vorträge verständlich, vielseitig, teils launig und teils trocken. Aber inhaltlich haben sie einen guten Querschnitt über den aktuellen Status Quo gezeigt. Die Zahl der Pilotprojekte nimmt exponentiell zu. Neue konstruktive Bereiche werden erobert und Erfahrungen werden gesammelt. Erfahrungen müssen nicht immer positiv sein. Aber der grundsätzliche Tenor war, dass BIM eine vernünftige und unverzichtbare Methodik für die Digitalisierung der Bauindustrie ist.

Ich habe den Tag genutzt und mit Bekannten und Unbekannten gesprochen. Ein Teil der Vorträge war ein Update oder eine Fortführung der Vorträge des ersten BMVI-BIM-Kongresses. Alle Teilnehmer des ersten Kongresses konnten den Vorträgen folgen und sich ein gutes Gesamtbild machen. Aber für die absoluten BIM-Anfängern unter den Zuhörern waren diese Vorträge nicht geeignet. Entsprechend war dann die Stimmung und Enttäuschung der Personen, die ich auch an den Gesichtern ablesen konnte.

In den vergangenen Jahren gab es eine Vielzahl von BIM-Veranstaltungen. In der Regel treten dort immer die gleichen Protagonisten auf und berichten in der gleichen Art und Weise über BIM, über BIM-Projekte und über die allgemeine Entwicklung. Den Zuhörern und Teilnehmern wird BIM tagein tagaus BIM gleich vermittelt. Die Erfahrungen der Anwender in den ersten BIM-Projekten sind vielschichtiger und decken sich nicht immer mit den Inhalten der Vorträge. Deutschland und deren führenden BIM-Experten sind zum Thema BIM Technik lastig. Der Wille zur Weiterentwicklung ist noch nicht vorhanden oder zumindest noch nicht zu erkennen. Der Zuschauer stellt sich dann irgendwann die Fragen: Wollen sie nicht oder können sie nicht? Wollen sie mich mitnehmen oder finden sie sich gut in ihrer Rolle, mir weit voraus zu sein?

Der Mensch spielt in den BIM-Prozessen die entscheidende Rolle und nicht die Technik. Die Menschen in den Unternehmen müssen ihre Arbeitsweise ändern. Es ist ein Kulturwandel, der sich vollzieht. Die Menschen müssen auf dem Wege in die Digitalisierung mitgenommen werden. Die BIM-Technik bestehend aus Software, Hardware, Cloud, VDI-Richtlinien, Normen, Vertragsinhalten, Gesetzen usw. ist auf einem guten Weg. Nicht alles ist perfekt oder noch nicht perfekt – muss es auch nicht! Aber der Mensch darf nicht vergessen werden. Er möchte in einem transparenten Prozess mit dabei sein und den Zeitpunkt selbst bestimmen, wann und wie er einsteigt.

Anfang Februar beginne ich mit einem einjährigen Online-Seminar. Der Titel der Serie lautet „BIM in Eigenregie im Planungsbüro erfolgreich einführen“. Schritt für Schritt nehme ich die Menschen mit auf den Weg in die Digitalisierung. Geplant habe ich diese Seminarreihe bereits vor einem Jahr. Mir ist aufgefallen, dass nach der Aufbruchsstimmung eine Art Stagnation eingetreten ist. BIM ist eine sehr gute Sache und wird in anderen Ländern bereits erfolgreich praktiziert. Wenn Deutschland laut Aussage des BMVI schon den Anspruch hat, im Bereich BIM die führende Nation zu werden, dann müssen wir etwas dafür tun. Nur wenn es uns gelingt, alle Menschen mitzunehmen, dann werden wir es schaffen.

BIM besteht nicht nur aus den Komponenten Planen, Bauen und Bewirtschaften. Es fängt weit früher an und hört später auf. Richtig ist Entwickeln, Planen, Bauen, Bewirtschaften und Abreißen. Der gesamte Prozess muss digital begleitet werden. Die Mehrzahl der Experten stößt da an ihre Grenzen. Die Digitalisierung kreativer Prozesse erfordert auch ein Umdenken und ein erweitertes Denken von Experten. Neue Methoden – wie zum Beispiel Lean Construction – werden die Umsetzung der BIM Prozesse weiter nach vorn bringen. Ich denke da liegen momentan auch ein wenig die Schwierigkeiten in der Formulierung der VDI 2552 Blatt 7 „Prozesse“ begründet. Agile Prozesse lassen sich nicht eindeutig beschreiben und festlegen. Ich kann nur beispielhafte Vorgaben machen und in die Richtlinie schreiben, dass die Beispielprozesse im Projekt individuell nach Sachlage angepasst werden können beziehungsweise sogar angepasst werden müssen.

Das Erlernen von BIM sollte in den Unternehmen auch als agiler und transparenter Prozess gesehen werden. Als Hilfsmittel setze ich in meiner Seminar-Reihe dort eine Software für Lean Construction ein. Ein für alle Mitarbeiter transparenter und online dokumentierter Einführungsprozess wird das gesamte Unternehmen schneller voranbringen. Wissenslücken werden schneller erkannt und effizient beseitigt. In dem für BIM notwendigen Kulturwandel geht es nicht darum, besser zu sein als der andere, sondern das Team zu stärken und den Schwächsten zu helfen. Wenn ich so BIM lerne und einführe, werde ich meine ersten BIM-Projekte ebenfalls wie selbstverständlich so angehen – transparent, offen und effizient.

Zuerst haben wir uns intensiv um die BIM Technik bemüht. Jetzt wird es Zeit im BIM den Menschen in den Vordergrund zu stellen. Es gab bereits die ersten Ansätze in den Vorträgen, die dies fordern. Ich würde mich freuen, wenn wir bei einem möglichen dritten BMVI-BIM-Kongress die ersten positiven Berichte zum Thema BIM und Mensch hören.

Mit freundlichen Grüßen

Ulf-Günter Krause

PS: Softwareprodukte für Lean Construction mit einer grafischen Benutzeroberfläche und einer Online-Datenbank, die sich wirklich für die transparente Einführung von BIM und später für den Einsatz in BIM-Projekten eignen, gibt es weltweit vielleicht erst drei bis vier. Die Technologie ist neu. Es reicht nicht, bestehende Technologien zu erweitern. Ich habe im vorletzten Jahr einen Artikel über die „Schlaglöcher in den digitalen BIM-Straßen“ geschrieben. Ein wenig später hat sich ein Softwarehersteller bei mir gemeldet. Mittlerweile bin ich für das Produkt als „Software Evangelist“ aktiv.

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