Die Suchenden auf dem Weg zu BIM?

Ich musste mich für eine Überschrift entscheiden. Zuerst fiel mir „Die Suche nach dem richtigen BIM-Weg ein!“ ein. Während des Schreibens habe ich mich dann für die Variante „Die Suchenden auf dem Weg zu BIM?“ entschieden. Wir haben es mit unterschiedlichen Gruppen von Personen und Unternehmen zu tun. Jede Gruppe hat ihr Motiv und ihre Motivation. Die Suche nach dem richtigen BIM-Weg würde suggerieren, dass es falsche und richtige Wege gibt. Es gibt mit Sicherheit nicht einen einzigen Weg, auf dem sich Menschen und Unternehmen auf den BIM-Weg begeben. Nur darüber öffentlich zu urteilen und einen Weg als den wahren Weg hinzustellen, sollte man vielleicht dann doch nicht machen.
Die Suchenden teile ich einmal grob in folgenden Gruppen ein: Investoren, Planer, Zulieferer, Bauunternehmen, Facility Manager, Softwarehersteller, Berater und Verneiner. Die Suche auf dem Weg zu BIM beinhaltet auch die Frage nach dem warum beziehungsweise nach dem Ziel? Ich setze mich nicht mit der Frage auseinander, ob wir BIM überhaupt benötigen. Das müssen die Suchenden selbst entscheiden.

Investoren
Ihr Ziel ist es zu investieren aber auch für ihre Investitionen das bestmögliche Ergebnis zu bekommen. Sie wollen eine möglichst genaue und fundierte Kostenvorhersage und während der Erstellung möglichst keine Kostenerhöhungen durch Nachträge und eine Reduktion der Baumängel auf ein Minimum. BIM ist für Investoren eine gute Wahl. Sie zwingt alle nachfolgenden Parteien einen transparenten und definierten Weg zu gehen. Die Investoren müssen nur eine Entscheidung treffen, ob Sie BIM machen wollen oder nicht. Wer Geld sparen kann, ist im Allgemeinen geneigt, dies zu tun.

Planer
Die Planer werden jetzt mit dem Thema BIM konfrontiert. BIM bedeutet in den ersten Projekten einen Mehraufwand. Das ist so. Aber BIM bedeutet nicht nur einen Mehraufwand, sondern eine Umstellung der bisherigen Arbeitsweise und mögliche Investitionen in die Fortbildung der Mitarbeiter sowie Ausgaben für Software, Hardware und weiteres technisches Equipment. Wo liegt da der Nutzen? Wenn die Projekte transparenter und die Planungen vor Baubeginn komplett abgeschlossen sind, dann muss man im weiteren Verlauf nicht mehr mit zu vielen technischen Diskussionen rechnen und die stark reduzierte Zahl der Baumängel ist dann leichter zu bewältigen. Die Bau Regie wird einfacher, der Stressfaktor sinkt, Zeit wird gespart und die Zahl der strittigen Fälle reduziert. Zuerst sinkt die Produktivität ein wenig und dann steigt sie enorm an. Aber für die Gruppe der Planer ist die Umsetzung von BIM mit Sicherheit am schwierigsten. Ich bekomme oft die Frage gestellt: Welche Software soll ich nehmen? So einfach liebe Planer ist das nicht zu beantworten. Diese Frage wurde mir schon vor 20 Jahren so gestellt. Damals habe ich dann eine Software und eine Schulung verkauft, die ich im Portfolio hatte. Irgendwann habe ich es aufgegeben, den Planern auch eine individuelle Beratung zu verkaufen. Die Mehrzahl der Planer will keine Beratung kaufen. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Nur die Anschaffung einer CAD-Software hat noch lange nichts mit der Umstellung der Arbeitsweise in einem Unternehmen zu tun. Zusätzlich muss der Planer aber erst einmal bereit sein, Hilfe bei einem komplexen Vorgang anzunehmen. Professionelle Hilfe kostet leider etwas.

Zulieferer
Die Zulieferindustrie arbeitet schon länger aktiv mit der dritten Dimension. Ohne 3D werden heute keine neuen technischen Produkte entwickelt. Ein Teil der Zulieferer hat bereits den Schritt gewagt, nicht nur für den eigenen Bedarf die Produkte digital zu erstellen, sondern auch diese digitalen Produkte den Kunden zur Verfügung zu stellen. Uneins waren sie sich bisher eigentlich nur über das Datenformat. Dies hat sich aber zu Beginn des Jahres geklärt. Jetzt sollten eigentlich auch diejenigen eine Entscheidung treffen können, die es bisher nicht gemacht haben.

Bauunternehmen
Die Ersteller von Gebäuden und Bauwerken wollen und müssen produktiver werden. Eine konsequente und perfekte Planung mit BIM trägt dazu bei. Auch sie profitieren von der Entscheidung über das Datenaustauschformat IFC zu Anfang des Jahres. Die großen der Branche haben das Thema BIM selbst aktiv mit vorangetrieben. Momentan ist der Mittelstand ein wenig unter Druck und muss folgen, wenn er den Anschluss nicht verpassen will. Viele haben bereits begonnen. Diese Gruppe motiviert jetzt ebenfalls die Planer aktiv zu werden.

Facility Manager
Die Facility Manager werden überwiegend in den Unternehmen als unproduktive Kostenstellen gesehen. Sie waren mit die ersten, die ihre Prozesse konsequent digitalisiert haben. Bisher mussten sie sich ihr grafisches Material aus unterschiedlichen Quellen zusammensuchen. Zukünftig wird es dann anders werden. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass die Daten erst zeitverzögert zu ihnen gelangen werden. Deshalb haben noch nicht alle eine Entscheidung getroffen, wie sie mit den Daten umgehen werden. Im ersten Stepp werden sie sich mit den Lieferanten ihrer bisherigen CAFM-Software auseinandersetzen. Wenn diese Lösungen parat haben, dann wird es zu einer schnellen Übereinkunft kommen. Aber wenn den Facility Managern keine Lösungen angeboten werden, wird es ein wenig aufwendiger und komplexer werden. Eine Datenmigration droht in der Zukunft.

Softwarehersteller
Zuerst war es eine kleine Gruppe von CAD-Softwareherstellern, die sich für BIM massiv engagiert haben. Nachdem dann endlich geklärt war, dass BIM ein Prozess und eine Methodik und keine CAD-Software ist, haben sich weitere Softwarehersteller für BIM engagiert. Die Entscheidung zum Thema IFC zu Beginn des Jahres sollte jetzt für alle Hersteller, die mit grafischen Objekten in der Bauindustrie zu tun haben, der letzte Auslöser sein zu reagieren und eine entsprechende genormte Schnittstelle mit anzubieten. Softwarehersteller habe ich bereits beraten. Sie gehören zu meinen Kunden. Auch im Bereich der Softwarehersteller rückt jetzt nach und nach eine Gruppe in den Fokus, die im Internet auf Ihren Plattformen Projektorganisation und Dokumentenverwaltung anbietet. Da wird es zukünftig nur ein schwarz oder weiß geben. Entweder Lösungen für BIM anbieten oder vom Markt verschwinden. Zeichnungen speichern und versionieren wird nicht mehr ausreichend sein.

Berater
Berater gehören ebenfalls zu meinen Kunden. Auch große Beratungsunternehmen gehören zu den Suchenden. Mit dieser Gruppe von Kunden mache ich keine Referenzkunden-Werbung. Im Moment mache ich ein interessantes Online-Seminar-Projekt: „BIM im Planungsbüro in Eigenregie einführen.“ Die Seminarreihe läuft bereits seit Anfang Februar. Vor kurzem hatte ich die Anfrage eines renommierten Beratungsunternehmens, ob ich ihnen dann das erste Seminar zusenden könnte. Das wäre ja kostenfrei. Solche Anfragen bekomme ich öfter. Ich biete dann den Unternehmen meine kostenpflichtige Unterstützung an. Je größer das Unternehmen ist, desto unwahrscheinlicher ist es, dass es zu einem Auftrag kommt.

Verneiner
Die Verneiner finden wir in allen Bereichen des Lebens und in allen Gruppen. Wenn es um politische Ansichten geht, geht es heute auf Twitter und Facebook teils heftig zur Sache. In der Technik und Wissenschaft geht es und ging es teilweise auch recht politisch zu. Ist die Erde eine Scheibe oder ist sie rund. Ist die Digitalisierung sinnvoll oder ist sie es nicht? Brauchen wir BIM oder brauchen wir BIM nicht? Um das Für und Wider gab es schon immer Auseinandersetzungen.
Die Entscheidung zum Thema BIM muss jedes Unternehmen und jeder Mitarbeiter für sich selbst treffen. Eine Entscheidung sollte aber auch sachlicher und nicht auf emotionaler Basis stattfinden. Entsprechende negative emotionale Ansätze in den Diskussionsforen finde ich gelegentlich. Zum Glück sind es nur gelegentliche Ausrutscher. Wenn schon negative Kritik, dann bitte auch mit einer konkreten sachlichen Begründung.
Gibt es gute Gründe dafür, ja oder nein zu sagen? Liegt es am Wissen um die Materie? Ist es die Angst vor dem Ungewissen? Ist es allgemeine Skepsis gegenüber der Digitalisierung? Können Sie sich gerade die Investitionen nicht leisten? Die Gründe für eine Verneinung können vielfältig sein. Solange Sie sich nicht sicher sind, warten und beobachten Sie, wie sich die Dinge um Sie herum entwickeln.
Die Digitalisierung lautstark und kategorisch abzulehnen, wäre vielleicht der falsche Weg. Wenn ich ein BIM-Projekt planen würde, würde ich Sie in dem Fall nicht zum Mitmachen motivieren. Wäre ich ein Arbeitgeber und Sie ein Mitarbeiter, würde ich zukünftig ohne Sie planen.

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