Sprechen Sie BIM?

In Vorbereitung auf ein Seminar habe ich „den“ aktuellen BIM Leitfaden gesucht. Ich habe sehr viele entdeckt. Für meinen Geschmack sind es zu viele. Wenn nun alle die gleichen Aussagen treffen würden, dann wäre es ja in Ordnung. Alle sprechen über BIM, deuten es aber in viele Richtungen. Woran sollen sich die BIM-willigen Unternehmen jetzt halten?

Im Grunde gibt es ja nur einen BIM Prozess. Alle sprechen über das gleiche BIM. Wir sprechen, schreiben und lesen alle Deutsch. Aber derjenige, der jetzt die unterschiedlichen Versionen betrachtet und doch eigentlich für sich den richtigen Weg sucht, darf mit Recht ein wenig enttäuscht sein. Welchem BIM-Berater beziehungsweise wessen Meinung soll man sich jetzt anschließen? Welche Fakten stimmen jetzt?

Wenn wir uns intensiver mit dem Thema BIM auseinandersetzen, dann stehen wir BIM positiv gegenüber. Aber warum sind sich die BIM-Berater nicht einig? Man hat das Gefühl, dass jeder momentan so berät, wie er möchte oder es für richtig hält.

Wir sind es in Deutschland gewohnt, dass alle Bereiche des technischen Lebens geregelt sind. Wir vertrauen darauf, dass die Normen und Richtlinien uns in allen Lagen ein Ratgeber sind, um in Projekten eine technisch richtige Entscheidung zu treffen.

Die BIM-Normen und BIM-Richtlinien sind ja auch bereits in Arbeit. Selbst über eine Anpassung der HOAI wird bereits nachgedacht. Sie sind uns versprochen worden und wir warten händeringend darauf. BIM-Projekte sind komplex. Wenn die Rahmenbedingungen endgültig geklärt sind, dann sind wir erleichtert und haben Sicherheit. Das Formulieren von komplexen Prozessen und Vorgaben dauert so seine Zeit. Aber muss es denn wirklich so lange dauern?

Alle Tätigkeiten, die bisher von der Entwicklung, über die Planung, die Erstellung, die Bewirtschaftung bis hin zum Abriss tagtäglich durchgeführt werden, sind bekannt. Jeder hat bisher in dem großen Prozess seinen Platz und wird ihn auch zukünftig ausfüllen. BIM sorgt für einen durchgängigen digitalen Datenfluss und beseitigt bereits in der Planungsphase Fehler aufgrund des dreidimensionalen Datenmodells. Es ist eigentlich ganz einfach. Die Vermeidung von Fehlern, die später nur aufwendig oder nicht mehr zu korrigieren sind, sorgen für eine Steigerung der Produktivität. Jeder, der sich jetzt mit BIM auseinandersetzt, wird es leichter haben, wenn die technischen Rahmenbedingungen geklärt sind.

Aber woran liegt es denn nun, dass sich die BIM-Spezialisten und führenden Köpfe in Deutschland nicht einig werden. Nehmen wir zum Beispiel den BIM-Prozess selbst. Wenn wir uns den großen BIM-Prozess ansehen und ihn in Teilprozesse zerlegen, dann fällt auf, dass ein Teil dieser Teilprozesse leicht zu beschreiben ist und andere Teilprozesse nicht. Die leicht zu beschreibenden Teilprozesse wurden in der Vergangenheit bereits durch Softwareprodukte digital abgedeckt. Aber es gibt auch Teilprozesse, die laufen nicht so schön geradlinig ab. Es geht dort phasenweise sehr agil zu. Wer von Ihnen schon einmal versucht hat, agile Prozesse zu beschreiben, weiß wovon ich spreche. Die zukünftigen BIM-Anwender erwarten von uns, dass die BIM-Richtlinien und BIM-Normen konkrete Anweisungen enthalten, an die sie sich halten können. Aber wo agile Entscheidungen und agiles Handeln erforderlich sind, gibt es nun einmal mehrere Wege.

Es ist an der Zeit, dass die deutschen BIM-Experten mit detaillierteren BIM-Richtlinien 1.0 endlich fertig werden. Es ist mit Sicherheit eine Abwägung, ob es wichtiger ist, eine absolut perfekte Version 1.0 zu erstellen oder ob es nicht sinnvoller ist, eine erste Vorlage für die vielen unterschiedlichen BIM-Leitfäden und Beratungskonzepte zu finden, um diese zu vereinheitlichen und den Wildwuchs einzudämmen. Die BIM-Anwender und die es werden wollen, werden es den BIM-Experten danken.

Dort wo es in Prozessen agil zugeht, darf man es in der Beschreibung ruhig ein wenig agiler angehen lassen. Geben Sie an diesen Stellen den BIM-Anwendern Beispiele und schreiben Sie dann hinzu, dass es an diesen Stellen nicht nur eine Lösung gibt sondern mehrere mögliche. Aber dann gibt es zumindest eine Version 1.0. Diese kann dann als 1.1 oder 2.0 fortgeschrieben werden.

Überall dort, wo es agiler zugeht, werden die BIM-Berater zukünftig Ihren Kunden einen der möglichen Wege aufzeigen. Das machen sie ja heute bereits. Nur der gesamte vorgegebene Rahmen der BIM-Richtlinien und BIM-Normen steht dann erst einmal. Daran können sich dann die BIM-Anwender, die BIM-Berater, die Softwarehersteller und viele mehr orientieren.

Sprechen Sie bitte endlich eine BIM-Sprache! Im Grunde sind Sie doch fast alle auf einer Linie. Aber jeder versucht im Moment durch seine individuellen Darstellungen und Interpretationen möglichst viele Kunden zu erreichen. In meinen Seminaren kann ich momentan nur die BIM-Willigen sensibilisieren und ihnen bestimmte Sachverhalte in ihrer aktuellen Widersprüchlichkeit neutral darstellen. Die Teilnehmer wollen trotz aller Widrigkeiten mit BIM beginnen und können es auch. Ich liefere ihnen keine eigenen neuen Konzepte. Weitere braucht es nicht. Wir haben bereits genug. Ich zeige ihnen nur Wege auf, agil mit der aktuellen Situation umzugehen.

Ich persönlich habe mich schon vor langer Zeit dazu entschieden, nicht am BIM-Berater-Rennen teilzunehmen und eine neutrale Position einzunehmen. Nach der Einführung von BIM ist Neutralität gefragt. Es geht dann um Themen, wie das agile BIM-Qualitätsmanagement und die vielfältigen BIM-Zertifizierungen. Die Unternehmen und deren Mitarbeiter wünschen sich neutrale und werthaltige Zertifizierungen von unabhängigen und sachkundigen Fachleuten. Wer so denkt wie ich, der darf sich gern mit mir in Verbindung setzen. Vielleicht gelingt es uns dann gemeinsam von Anfang an für die nächsten Schritte für klare Verhältnisse zu sorgen.

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