Ist die Produktivität von BIM Planungsteams messbar?

Jeder Unternehmer stellt sich die Frage, ob sein Unternehmen, seine Teams und seine Mitarbeiter produktiv arbeiten. Die Mehrzahl stellt sich dann die Frage „Wie kann ich die Produktivität messen?“. In der Regel erfolgt die Messung der Produktivität auf subjektiven Einschätzung von Projektleitern oder Abteilungsleitern. Wer überprüft dann die Produktivität dieser Leitungsebene und wenn ja wie? Wir benötigen neutrale und objektive Messmethoden, die Tag für Tag und Woche für Woche unbestechlich und transparent Teams dabei unterstützen, die Produktivität zu ermitteln und den Teams die Chance geben, über ihre erbrachten Leistungen zu sprechen und gemeinsam dann Maßnahmen zu Steigerung der Produktivität zu ergreifen.

Als erstes müssen wir klären, ob wir überhaupt die Produktivität von Planungsteams messen wollen. Produktivität ist in allen Bereichen des beruflichen Alltags gefordert. Der Mensch neigt im Allgemeinen dazu, sich nicht gegen die Produktivität zu stellen, sondern eher sich dieser Thematik still und leise zu entziehen. Denn wenn es nicht auffällt, gehen alle davon aus, dass jeder produktiv arbeitet. Unternehmen erwirtschaften dann einen Gewinn, wenn Ihre Mitarbeiter wirklich produktiv arbeiten.

Das soll aber nicht bedeuten, dass es zu einer gnadenlosen Ausbeutung kommen soll. Die Produktivität kann sich auch über ein Versprechen messen lassen, eine bestimmte Aufgabe in einer bestimmten Zeit erledigt zu haben. Die Zeitvorgabe selbst stammt dann vom Mitarbeiter. Er muss sich an seinem eigenen Versprechen messen lassen. In Planungsteams ist jeder Planer ein Glied in einer Kette. Wenn einer seine eigene Zusage nicht einhält, dann hat der nachfolgende Planer ein Problem damit, seine eigene Zusage einhalten zu können.

Bei der bisherigen Arbeitsweise von Teams fällt es nicht immer so auf. Wenn wir jetzt ein BIM Projekt und BIM Planungsteams betrachten, ist es die Aufgabe des BIM Managers, eine transparente und kooperative Arbeit des Planungsteams zu unterstützen, zu fördern und zu verbessern. Also im Grunde genommen, die Produktivität des Teams zu steigern. Um die Produktivität aber steigern zu können, muss ich zuerst die Produktivität messen. Gesagt, getan, aber wie?

Die nachfolgenden Charts gewähren uns einen Einblick in eine transparente, kooperative und digitale Zusammenarbeit eines BIM Planungsteams. Jedes Teammitglied kann sich jederzeit die Charts ansehen. Die Arbeit von allen Teammitgliedern wird dokumentiert. Zum Team gehören auch der BIM Manager des Projektes, der BIM Koordinator und der BIM Manager des Auftraggebers.

Welche Erkenntnisse können wir aus den drei Charts ziehen?

Das BIM Projekt hat erst vor kurzem am 5. Juni begonnen. Heute ist der 17. Juni. Das Projekt ist noch längst nicht fertig. Die Aussagen entsprechen immer den aktuell konkret geplanten Arbeitstagen und den bisher erbrachten Planungsleistungen. Das eigentliche grafische Projektboard enthält alle Meilensteine und alle Aufgaben, die sich im Bereich der Grobplanung und in der Feinplanung befinden. Jede Aufgabe durchläuft dort alle notwendigen Prozessschritte des BIM Projektes. Parallel dazu werden individuelle Projektstrukturpläne genutzt, in denen dann tagesaktuell die Aufgaben visuell dargestellt werden.

Im BIM Projekt befinden sich aktuell 35 Arbeitstage in den Wochenplanungen. Aufgrund der gemeinsamen Teamplanung soll die Arbeit gemäß der grünen Linie im „Arbeitszeit Burn-Down Chart“ abgebaut werden. Bis zum 17. Juni wurden bereits etliche Arbeitstage, dargestellt als blaue Fläche, absolviert.

Schlussfolgerungen: Der obere Rand der blauen Fläche deckt sich mit der grünen Kurve. Die Zeitvorgaben des Teams und die real verbrauchte Zeit stimmen zu 100% überein. Das Team ist in der Lage, seine eigene Leistung gut einzuschätzen. Das Team arbeitet produktiv. Dieser Chart gilt jetzt für das komplette Team. Sie können aber auch für jedes Teammitglied ein eigenes Chart aufrufen. So können Sie feststellen, ob nicht zufällig an einem Tag ein Planer schneller war und ein anderer Planer langsamer. In Summe würde es sich aufheben.

In diesem Chart „Arbeitszeit Flow“ sehen Sie, welche Leistungen das Team pro Tag erbracht hat. An den Wochenenden ist keine Arbeit geplant und auch nichts erledigt worden.

Schlussfolgerungen: Die Aussagen decken sich mit denen aus dem ersten Chart.

Der Chart „Planned Percent Complete“ untermauert noch einmal mit einer einfachen Zahl, wie das Team die gesamte Woche absolviert hat.

Schlussfolgerungen allgemein: Wenn die blaue Fläche permanent oberhalb der grünen Linie liegt, sollte der BIM Manager in einer gemeinsamen Besprechung alle Teammitglieder dazu auffordern, ihre Zeitversprechungen für die nächsten Tage zu überdenken und zu korrigieren. Gleichzeitig müssen sich alle Gedanken darübermachen, welche Folgen die Fehleinschätzungen auf die Meilensteine des BIM Projektes haben. Wenn die blauen Flächen immer unterhalb der grünen Linie liegen, ist es positiv. Aber dann drängt sich die Frage auf, ob das BIM Team noch produktiver sein könnte und die Zeitangaben eventuell herabsetzen kann. Dann könnten auch die Meilensteine des Projektes früher erreicht werden. Theoretisch kann dann auch mit der Bauausführung früher begonnen werden.

Wie mache ich das Team jetzt noch produktiver?

Im BAP BIM Abwicklungsplan wurden Meilensteine festgelegt und die Planungszeiträume grob geschätzt. Wenn das Team gut zusammenarbeitet, können eventuell auch in der Wochenplanung die Tagesaufgaben enger verzahnt und verschachtelt werden. Nur wenn das Team seine Produktivität gemessen hat, kann es eine Aussage darüber treffen, wie es sich gemeinsam steigern kann. Das entscheidende Wort ist „gemeinsam“. Nur wenn alle freiwillig mitmachen, kann die Produktivität gesteigert werden. Die Motivation lastet auf den Schultern des BIM Managers. Die beste Motivation ist immer noch, durch seine eigene Arbeit zu überzeugen und so die anderen mitzunehmen.

Die Strategie, die hinter dieser Arbeitsweise steckt, bezeichne ich als DLSP Digital Last Planner System. Sie hat gegenüber des LPS Last Planner Systems vier entscheidende Vorteile:

  • Der BIM Manager kann in der Planungs- oder in der Bauphase noch schneller auf unerwartete Situationen reagieren, als wenn man sich einmal in der Woche am Whiteboard trifft.
  • Die räumliche Begrenzung von Projektteams kann aufgehoben werden. Die Besprechungen können digital durchgeführt werden. Das reduziert die Reisekosten und die Zeitverluste.
  • Die Zahl der Besprechungen kann reduziert werden, wenn das Projekt produktiv ist.
  • Die Besprechungen verlaufen effizienter, weil jeder vor der Besprechung den aktuellen Status Quo des Projektes kennt. Die Besprechung reduziert sich auf die strittigen und kritischen Punkte des Projektes.

Wenn Sie Interesse an dem Digital Last Planner System haben, zeige ich Ihnen gern, wie es funktioniert. Senden Sie mir eine Anfrage per E-Mail: ulf.krause@avacad.eu

Nachwort: Wir alle wollen mit weniger Aufwand, mit weniger Stress und mit mehr Spaß bei der Arbeit produktiver werden. Oder gehören Sie zu denjenigen, die es nicht wollen?

 

 

 

 

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  1. Die Möglichkeit zuverlässige Bauabläufe durch die Messung von PEZ (=Prozent eingehaltener Zusagen) einem jedem Gewerk zuordnen zu können wird noch mehr ermöglichen als Aussagen zur Produktivität für den einzelnen NU / den jeweiligen Planer.

    Es wird zudem möglich werden den Beitrag eines Handwerkers zur Bauzeitverkürzung (Einsparungen) zu messen. Das ließe sich auch durch die Beiträge zur Ursachenanalyse bei der Suche nach Schwankungsursachen oder die Vorbereitung der Kolonne durch die „Prozentzahl vorbereiteter (hindernisfreier) Aufgaben“ qualifizieren und verifizieren. Messbar wird auch wie schnell die Kolonne lernt von Woche zu Woche zuverlässiger zu werden. Ob die Kolonne eher Top-Performer unter den letzen Planern ist, oder eher das Schlusslicht.

    Damit wird es möglich die „Qualität“ des Handwerkers in Bezug auf seinen Beitrag zur Bauproduktionsplanung eine monetäre Einsparung gegenüber zu stellen (den erhöhten Deckungsbeitrag spürt natürlich auch der Handwerker). Damit wäre Qualität in Bezug auf die Organisation der Bauproduktion mit den Handwerkern das erste Mal bepreisbar. Ich könnte also Angebote eines zuverlässigen und schnell lernenden Handwerkers mit einem Faktor besser oder schlechter bewerten.

    Was braucht es dafür?
    – Zuordnung der Zuverlässigkeit einzelner Handwerkerkolonnen aus verschiedenen Projekten zu einem Kunden – z.B. als Hilfe für den Einkauf
    – Eine genügend große Datenbasis, um für die Kunden jeweils Durchschnittswerte bilden zu können.

    So eine Datenbasis könnte auch öffentlich zugänglich sein oder zumindest von verschiedenen Firmen gepflegt werden (eine große Datenbasis wird schneller erreicht) und eine Art „Kundenbewertung“ auf meiner messbaren und objektiven Grundlage darstellen (habe selbst keine Ambitionen diese Geschäftsidee zu verfolgen). Voraussetzung für eine solche Plattform wäre die einheitliche Messung, wie sie von Lean4Team aus dem LPS abgeleitet wurde.

    Was meinen Sie? Ist das ein brauchbarer und realisierbarer „Nebeneffekt“ durch die transparente digitale Aufbereitung des Last Planner® Systems?

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