BIM versus Lean Construction – Teil 2

Im Teil 2 schreibe ich darüber wie beide Methodiken miteinander verbunden sind und warum „das Kleben von Notizzetteln an einer Wand“ nicht die Lösung in einer digitalen Welt sein kann. Es geht mir nicht um die Entfernung der teambildenden Diskussionen mit persönlicher Anwesenheit, sondern um Prozesse und Workflows zu digitalisieren.

Es gibt fünf BIM Phasen. Das Bauwerks-Informations-Modell (BIM) wird über vier Phasen entwickelt und genutzt.

Phase 1 – Entwicklung

In einem Unternehmen (Bauherr) wird überlegt, ob es nicht sinnvoll wäre, ein neues Gebäude zu errichten. In dieser Phase werden schon die ersten Punkte aufgenommen und der Rahmen grob abgesteckt. Es existiert noch kein Entwurf. Ab einem bestimmten Zeitpunkt wird in der Entwicklungsphase ein Architekt hinzugezogen. AIA und BAP werden aufgestellt.

Phase 2 – Planung

Die ersten Entwürfe entstehen und mit den ersten Entwürfen entsteht auch das Bauwerks-Informations-Modell (BIM) (LOD/LOI 100-300). Nach und nach kommen weitere Planer mit hinzu und es gibt immer wieder notwendige Diskussionen mit dem Bauherrn. Am Ende der Planungsphase ist das Bauwerks-Informations-Modell (BIM) fertig und die Verträge mit den Bauunternehmen sind fixiert. Alle Informationen sind im Bauwerks-Informations-Modell (BIM) (LOD/LOI 400) enthalten.

Phase 1 und Phase 2

Die beiden Phasen überschneiden sich zwangsweise. Nach der ersten Kostenschätzung auf der Basis des Bauwerks-Informations-Modells (BIM) kann es Änderungen (Kostenreduktionen, …) geben. Ebenso hat der Bauherr noch den einen oder anderen nachträglichen Wunsch im Detail. Gleichzeitig muss die Arbeit der Planer koordiniert werden. Sie werden oft parallel arbeiten und nicht hintereinander. In diesem Zeitraum werden die Beteiligten ohne Lean Construction nur schwer zu koordinieren sein. Versuchen Sie bitte einmal nach der CPM Methode die Arbeit durchgängig zu koordinieren. Sie werden feststellen, dass es nicht funktioniert.

Phase 3 – Bauausführung

Der Idealzustand für ein Bauprojekt ist, mit der Phase 3 erst dann zu beginnen, wenn die Phase 2 fertiggestellt ist. Große Projekte werden in Bauabschnitte aufgeteilt. Dann bezieht sich meine Aussage auf einen Bauabschnitt. Aber dann muss gewährleistet sein, dass der nachfolgende Bauabschnitt nicht den vorangegangenen negativ beeinflussen wird. Das Bauwerks-Informations-Modell (BIM) des ersten Bauabschnitts darf nicht verändert werden.

Je nach Größe des Projektes wird die Bauausführung in überschaubare Arbeitspakete aufgeteilt. Diese werden dann mit Lean Construction umgesetzt. Die Ergebnisse und mögliche Änderungen werden wieder Schritt für Schritt in das Bauwerks-Informations-Modell (BIM) zurückgegeben und das Bauwerks-Informations-Modell (BIM) wird so auf dem aktuellen Stand gehalten.

Am Ende der Bauausführungsphase ist das Bauwerks-Informations-Modell (BIM) (LOD/LOI 500) auf dem aktuellen Stand.

Phase 4 – Nutzung

Aufgrund der Mangelbeseitigung überschneiden sich Phase 3 und Phase 4. Weil es mit BIM weniger Mängel aus Planungsfehlern gibt, fällt die Zahl der Mängel niedriger aus. In der Nutzungsphase muss darauf geachtet werden, dass das Bauwerks-Informations-Modell (BIM) (LOD/LOI 600) immer aktuell gehalten wird. Wenn ein großer Umbau ansteht, kann das Bauwerks-Informations-Modell (BIM) sofort als Grundlage für die Planung genutzt werden.

Phase 3 und Phase 4

Wenn Lean Construction als digitale Variante geschickt eingesetzt wird, dann kann auch die Mangelbeseitigung und die dazu notwendige Dokumentation gleich während der Phase 3 komplett mit bearbeitet und dort integriert werden. Eine gesonderte Nutzung einer anderen Software kann komplett entfallen. BIM und Lean Construction als digitale Einheit machen es möglich.

Phase 5 – Abriss, Verkauf, …

Schon vor dem Abriss kann gezielt überlegt werden, welche Bauteile eventuell wiederverwertet werden können und wie die Entsorgung durchgeführt werden soll. Das Bauwerks-Informations-Modell (BIM) (LOD/LOI 700) wird mit den notwendigen Informationen und Dokumentationen ergänzt und kann anschließend archiviert werden.

Wenn das Gebäude verkauft wird, kann dem neuen Eigentümer das Bauwerks-Informations-Modell (BIM) (LOD/LOI 600) auf dem aktuellen Stand mit übergeben werden.

Fazit

Das Bauwerks-Informations-Modell (BIM) kann nur permanent auf einem aktuellen Stand gehalten werden, wenn in allen Phasen die Beteiligten digitale Prozesse und Workflows anwenden. Die in den Prozessen entstehenden Informationen und Dokumentationen können mit digitaler Unterstützung dem Bauwerks-Informations-Modell (BIM) effizienter hinzugefügt werden. Ein nachträgliches manuelles Dokumentieren ist ineffizient und mit Sicherheit fehlerhaft und unvollständig. Die Methodik Lean Construction, genutzt als digitale Variante auf der Basis einer geeigneten Software, macht die Arbeit im Team effizient und sorgt für einen reibungslosen Ablauf während aller BIM Phasen. Dann wird Lean Construction nachhaltig Lean. 

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