Der dritte Blick

Vielleicht setzen Sie sich schon mit Softwareprodukten auseinander, die Ihnen vollmundig eine digitale Umsetzung von Lean Construction ermöglichen. Wer von Ihnen hat dann nicht schon einmal Webseiten besucht, die dem Betrachter viel versprechen und suggerieren, dass es doch mit ihrer Software alles viel einfacher werden wird. Im unteren Bereich der Webseite sehen Sie dann eine beeindruckende Anzahl von namhaften Unternehmen, die dann gern und bereitwillig als Referenzen in Erscheinung treten. Der Betrachter ist beeindruckt und das soll er ja auch sein.
Auf den ersten Blick sieht dann alles ganz gut aus. Im nächsten Stepp melden Sie sich auf der Webseite an und starten ihre ersten kleinen Versuche. Sticker erstellen, Informationen eintragen. Das klappt doch eigentlich ganz gut. Auf den zweiten Blick ist soweit alles in Ordnung. Sie nehmen sich vor, an einem der nächsten Tage spontan weiterzumachen. Sie denken darüber nach, welche Prozesse Sie abbilden wollen, wer in diesen Prozessen mitmachen soll und was ihre IT von dem Produkt halten wird. Ob es dann zum dritten Blick kommt, ist ungewiss.

Eigentlich wollte ich in dieser Richtung weiterschreiben, aber ich habe mich entschieden den dritten Blick anders zu interpretieren.

Viele von Ihnen haben Lean Construction und vergleichbare Methoden mithilfe von Whiteboard, Pinnwänden und selbstklebenden Notizzetteln erlernt und versuchen jetzt das Erlernte auf Softwareprodukte zu übertragen.

Der erste Blick oder das Kanban Board
Kanban und Lean Construction funktionieren nicht nach dem Push-Prinzip, sondern nach dem Pull-Prinzip. Die digitalen Zettel werden von den Benutzern kontinuierlich in mehreren Prozessschritten (Lanes) von links nach rechts bewegt.
Es funktioniert auch mit Klebezetteln an der Wand, wird aber meist anders gemacht. Am Anfang der Woche trifft sich das Team. Im linken Bereich befinden sich alle Aufgaben, die in dieser Woche erledigt werden sollen. Die Aufgaben werden dann verteilt oder auch genommen und in der Spalte mit dem Wochentag platziert, wo die geplante Erledigung stattfinden soll. Im rechten Bereich befinden sich dann alle erledigten Aufgaben. Zu Beginn jeder Woche wird die vergangene Woche besprochen, die Klebezettel werden abgenommen, besprochen und rechts platziert. Das ist schon ein wenig „Work in Progress“.
Auf den digitalen Zetteln kann man dann viele Informationen hinzufügen. Daraus ergeben sich dann Charts. Alles das ist für eine Software ein Muss. Deshalb beherrschen es alle Softwarehersteller.

Der zweite Blick und die Einbeziehung der Zeit
Wenn jemand verspricht, eine Aufgabe zu erledigen, dann reden wir nicht über einen beliebigen Montag, sondern über einen konkreten Montag. In den meisten Softwareprodukten wird dann zur Darstellung wieder ein Balkendiagramm genommen. Der eine Teil zeigt diese Balkendiagramme als Charts an, der andere Teil der Softwareprodukte erlaubt leichte Veränderungen an der Aufgabe. Die grafische Benutzeroberfläche ist nicht veränderbar.
Nur Lean4Team erlaubt es, ein und dieselbe Aufgabe in Abhängigkeit von unterschiedlichen individuellen Themen (WBS Work Breakdown Structure) darzustellen. Gleichzeitig hat der Anwender die Option, die Aufgaben als Balkendiagramm oder als quadratische Notizzettel zu visualisieren. Diese Optik erleichtert den Anwendern von Papierzetteln den Umstieg von Papier auf Digital enorm.
Beide grafischen Ansichten sind bidirektional miteinander verbunden. Bei der Papiermethode findet Lean Construction verbal statt und an der Wand haben Sie eine einzige Struktur in Abhängigkeit der Zeit. Die digitale Variante macht den größten Teil der Diskussionen sichtbar und die grafischen Boards machen die Darstellung räumlich unabhängig. Lean Construction wird durch Lean4Team leaner.

Der dritte Blick und die Einbeziehung von Excel
Die Einbeziehung von Excel dürfen Sie bitte nicht zu wörtlich nehmen. Aber der Vergleich sorgt für ein besseres Verständnis, weil jeder von Ihnen mit Excel-Tabellen arbeitet. In den Softwareprodukten für Lean Construction, Kanban usw. geht es um Aufgaben und deren Erledigung. Warum sollte nicht auch eine klassische Tabellensichtweise genutzt werden. Unübersichtliche Explorer-Strukturen gibt es genügend. Viele Entwickler greifen gern darauf zurück, wenn ihnen andere Lösungen nicht einfallen.
Tabellen unterstützen jeden einzelnen von uns dabei, Daten zu sammeln oder Daten zu erfassen. Tabellen könnten uns aber auch dabei behilflich sein, Informationen zu ordnen oder erst notwendige Strukturen aufzubauen und sie dann mit Inhalten aufzufüllen.
Tabellen könnten uns auch dabei unterstützen, zu erkennen, ob etwas fehlt oder nicht. Habe ich in meinem Lean Construction Projekt alle Aufgaben erstellt oder fehlen mir eventuell noch Aufgaben? In einer Explorer-Struktur sehe ich es nicht, in einer Tabelle aber schon. Ich habe ein Raster aus individuell beschrifteten Spalten und Reihen. In jedem Schnittpunkt bzw. in jeder Zelle erwarte ich jetzt, dass eine passende Aufgabe vorhanden ist. Ich habe in den letzten Monaten einige Excel-Tabellen erhalten, in denen eingetragen wurde, wenn etwas erzeugt, abgegeben oder erledigt worden ist. In Lean4Team wird es demnächst diesen dritten Blick auf Projekte geben, der wieder bidirektional mit den anderen Ansichten verbunden ist.

Während der dritte Blick in Arbeit ist, kommt man leicht auf die Idee, nach dem nächsten Blick zu suchen. Aber an dieser Stelle beende ich erst einmal meinen Artikel.

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